Juni 12, 2013

Klaus Töpfer und der König von Bhutan

Dieser Beitrag erschien bereits im Januar 2012 im Science-Sceptial-Blog, hat aber an Aktualität keineswegs eingebüßt. Die Forderungen der Postwachstumsanhänger werden immer auch mit Ergebnissen aus der sogenannten Glücksforschung begründet, welche dann aber für die eigene grüne Propaganda passend gemacht werden. Der folgende Text ist im Orginal belassen:

Beispiele dienen gemeinhin der Verdeutlichung von Aussagen, Annahmen oder Überzeugungen. Das können eher abstrakte Beispiele sein, wie Gleichnisse, oder konkrete, wie der Vergleich mit einer andern Person oder Sache. Wenn es um die Vorteile von Volksbefragungen geht, wird gern die Schweiz als Vorbild genannt, Nachteile einer Planwirtschaft werden am Beispiel des ehemalig sozialistischen Ostblock verdeutlicht.

Nun macht seit einiger Zeit ein Begriff die Runde, für den es kein so richtiges Beispiel gibt: "das Bruttglücksprodukt". Das wird zur Zeit von denen gern verwendet, die das Bruttoinlandsprodukt als Grad für eine entwickelte Gesellschaft für nicht ausreichend oder gar falsch erachten, weil es rein quantitativ das Mehr an Gütern und Dienstleistungen anzeigt, nicht aber die Umstände unter denen es entstanden ist. Deshalb wird nun im Hause Röttgen auch an einem Wohlfahrtsindex gearbeitet, bei dem Verbraucherausgaben ein wichtiger Punkt ist, neben solchen Dingen wie Verbrauch von Rohstoffen und Schäden für die Umwelt. Über Sinn oder Unsinn dieses Wohlfahrtsindex möchte ich aber eigentlich gar nicht weiter sprechen, selbstredend ist dies ein Feld, auf dem sich die Liebhaber der Nachhaltigkeit richtig austoben können, um mit ihren Schlussfolgerungen so den Index ins genehme Licht zu setzen. Oder wie Alexander Horn in NovoArgumente meint: "Das fatale Bild des bösen, gierigen Menschen, das seit Jahrzehnten die Umweltdiskussion beherrscht, hält nun auch in der offiziellen Wirtschaftspolitik Einzug."

Das Bruttoglücksprodukt ist nun die Steigerung und konsequente Weiterentwicklung des Wohlfahrtsindex. Denn was wünschen sich die Menschen denn mehr, als glücklich zu sein. Doch definiert jeder Glück anders, was die Erstellung eines Index nicht leichter macht. Besonders häufig hört man das Wort Bruttoglücksprodukt, oder auch Bruttonationalglück, von Klaus Töpfer, der ist ganz angetan davon, vor allem, nachdem er das Glück hatte, sich mit dem König von Bhutan darüber zu unterhalten. Ausschnitt aus einem als Buchform erschienen Gespräch mit Ranga Yogeshwar:
Yogeshwar: In Bhutan haben sie Zufriedenheit und Glücksgefühle als Maß gesetzt. Anfang 1970 führte man dort das «Bruttonationalglück» ein, und langsam fängt man auch im Westen an, sich über solche Lebenskonzepte Gedanken zu machen. Es könnte sehr spannend werden, sich zu überlegen, was Menschen glücklich macht.
Töpfer: Mit Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, dem König von Bhutan, habe ich zweimal lange diskutieren können.
Yogeshwar: Hatten Sie ein Glück!
Töpfer: Jigme Khesar Namgyel Wangchuck ist im Grunde nicht mehr König, weil er den Entschluss getroffen und durchgesetzt hat, sein schönes Land Bhutan zu einer Demokratie zu entwickeln. Etwas, was seine Bürger eigentlich gar nicht recht wollten. Die waren mit ihrem König sehr glücklich. Erwähne ich das in öffentlichen Veranstaltungen, ernte ich damit allenfalls ein Lächeln. Keiner will das so richtig ernst nehmen. Doch wenn man mit dem König einmal gesprochen hat, dann bekommt seine Staatsphilosophie, in deren Zentrum das Glück steht, eine ganz andere Bedeutung.
Doch welches Glück meint denn der König? Sein Premierminister Jigmi Y. Thinley sagte: "Materielles Wohlbefinden ist nur ein Teil unseres Glücks, das noch nichts darüber aussagt, ob jemand in Einklang mit der Umwelt und in Harmonie mit den Mitmenschen lebt.". Die vier Grundpfeiler des Bruttosozialglücks sind: der Schutz der Umwelt, die Bewahrung unserer kulturellen Werte, eine wirtschaftliche und soziale Entwicklung, die alle einschließt, und eine gute Regierung. Etwas weiter geht man noch beim Happy Planet Index der Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung und Ökologischen Fußabdruck kombiniert. Doch wenn ich mir hier die ersten 10 Länder anschaue, also diejenigen wo die angeblich glücklichsten Menschen leben, so beschleichen mich doch ernste Zweifel, ob dieser Index tatsächlich irgendeine sinnvolle Aussage erlaubt (1. Costa Rica, 2. Dominican Republic, 3. Jamaica, 4. Guatemala, 5. Vietnam, 6. Colombia, 7. Cuba, 8. El Salvador, 9. Brazil, 10. Honduras). Außer vielleicht, dass bestimmte klimatische Bedingungen das Wohlbefinden fördern.

Wir können festhalten, dieses Bruttoglücksprodukt ist gänzlich ungeeignet um wirtschaftspolitische Entscheidungen zu treffen. Glück ist eben ein ganz subjektives Gefühl, dass nur dadurch erreicht wird, dass Individuen Entscheidungen treffen können die sie glücklich machen. Und Gesellschaften die das Glück sozusagen verordnen, sind nichts anderes als Diktaturen, die ihre Vorstellung von Glück allen anderen aufzwingen möchten und unseren hiesigen Vorstellungen, wonach jeder nach seiner Fasson selig werden soll, entgegenstehen.

Warum findet dann aber Klaus Töpfer den König von Bhuthan so toll? Die Antwort dürfte einfach sein: Weil alle wirtschaftlichen Interessen des Landes dem Umwelt- und Naturschutz untergeordnet werden und somit als Beispiel dienen kann, welchen Weg die angestrebte Transformation der Gesellschaft nehmen soll. Doch dieses Beispiel ist völlig untauglich, denn es handelt sich mit Bhutan um eines der ärmsten Länder der Welt, und, weil das Bruttosozialprodukt so gering ist, dass die nötigen Aufgaben nicht daraus erwirtschaftet werden können, muss man sich eben von seinen Nachbarn aushalten lassen:
note: the government of India finances nearly three-fifths of Bhutan's budget expenditures (2010 est.)
Hier schließt sich der Kreis, auch fürs Bruttoglücksprodukt muss irgendjemand eine finanzielle Basis dafür bereit stellen, und wenn man es nicht selbst erwirtschaften kann, nimmt man es eben von anderen. Dieses Spiel kennen wir ja nun schon zur Genüge, die ganze "Green Economy" ist nach diesem Prinzip aufgebaut. Obwohl, wenn jemand meine Fixkosten übernehmen würde, wäre ich auch glücklicher.

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