Januar 01, 2014

Über die Jungen und die Alten

Die Deutschen bekommen keine Kinder mehr, die Rente ist in Gefahr. Die Jungen können die Ansprüche der Alten bald nicht nicht mehr stemmen, es sind zu wenige auf der einen Seite, zu viele auf der anderen. Schon wird von einer demographischen Katastrophe gesprochen, drunter gehts wahrscheinlich nicht in Deutschland. Wer aber vor der Zukunft Angst macht, mit welchem Thema auch immer, hat schon immer Scharlatane auf den Plan gerufen und die faseln nun von Generationengerechtigkeit, haben aber meist nur eines im Sinn, nämlich ihren Umverteilungsorgien zu frönen. Klar ist, so wie unser Rentensystem aufgebaut ist, nach dem die heutigen Beitragszahler - doch nicht nur die, sondern die Steuerzahler ganz allgemein auch, da der Bund nicht unerheblich zuschießen muss - für die heutigen Rentner zahlen, in der Hoffnung, dass zukünftige Generationen das gleiche machen, wird, wenn die derzeitige Entwicklung anhält, keinen Bestand haben. Schon gehen Befürchtungen um, bei der demographischen Struktur unseres Landes wird es bald keine Möglichkeiten mehr geben, das System zu ändern, da die Mehrheiten so verteilt sind, dass Einschnitte bei der Rente nicht politisch durchsetzbar seien. Und ein Schuldiger, dass das alles so gekommen ist, der ist auch schon gefunden: Adenauer. Der hatte doch das alte Bismarcksche Rentensystem abgeschafft. Ob dieses alte allerdings wirklich besser war, angesichts drohender oder vergangener Finanzkrisen, sei dahin gestellt.

Immer geht es um Verteilung und Gerechtigkeit. Das ist nicht unwichtig, doch gerät bei diesen Verteilungskämpfen, hier zwischen Alt und Jung - aber auch zwischen denen die Kinder aufgezogen haben und entsprechend weniger eingezahlt haben und denen die keine hatten, dafür nun aber mehr Rente bekommen, was wiederum die Kinder der anderen bezahlen müssen - in den Hintergrund, dass erst mal was erwirtschaftet werden muss, was wieder verteilt werden kann. Wer will, dass andere für ihn im Alter sorgen, muss aber auch danach schauen, dass es in Zukunft jemand gibt, der dies tun kann: also Kinder bekommen. Dies möchte sich aber niemand vorschreiben lassen, zu einer freiheitlichen Gesellschaft gehört eben auch, dass sich ein jeder sein Leben selbst gestaltet und sich schon gar nicht vorschreiben lassen will, ob und wie viele Kinder er aufzuziehen gedenkt.

Verschiedene Interessenvertreter bringen sich in Stellung, welche für die Jungen, welche für die Familien und welche für die Alten. Jeder sieht seine Felle davon schwimmen und alle schreien nach fairer Verteilung. Gute Argumente finden sich für jede Position. Der Staat soll zuschießen hier und dort, die Beamten sollen Beiträge zahlen, Vermögende müssen zur Ader gelassen werden, der Autofahrer sowieso, der mit jedem mal tanken einen Extrabeitrag zur Rentenfinanzierung leistet. Und alle schreien im Chor, wenn wir so weiter machen, endet es in einer Katastrophe.

Die kommt natürlich nicht, denn Katastrophen sind plötzlich da, und sind etwas völlig anderes als eine demographische Entwicklung, auf die man sich einstellen kann. Da aber immer gerne gegenwärtige Verhältnisse in die Zukunft projiziert werden, freilich partiell, nur einige wenige Stellschrauben werden verändert, ansonst wird eine Gesellschaft angenommen, die wie die heutige aussieht. Derartige Phantasielosigkeit ist überall zu beobachten, wenn es darum geht, Menschen vor einer vermeintlich gefährlichen Entwicklung zu warnen. Klima, Rohstoffe, Demographie, immer wird angenommen, dass bei einer derzeitigen Entwicklung irgendein System zusammenbricht und großes Leid auf die Menschheit kommen wird. Manchmal reicht das noch gar nicht aus, und ganze Geosysteme kollabieren.

All diese Ängste sind nicht immer gänzlich unbegründet, aber dennoch nicht relevant, weil die dynamischen Prozesse die das Leben auf dieser Erde ausmachen, nicht ausreichend gewürdigt werden. Der Ausdruck »Die Zukunft gestalten« ist in diesen Zusammenhängen Quatsch. Sollte unser Rentensystem so wie es heute finanziert wird irgendwann einmal nicht mehr funktionieren, was auch völlig normal wäre, denn Gesellschaften verändern sich, sei es in der Arbeitswelt, sei es durch technische Entwicklungen, oder was auch immer, dann werden sich andere Wege finden. Wichtig dabei ist nur, dass die Gesellschaft auch in der Lage ist, auf Entwicklungen zu reagieren und die Aufgaben wahr nimmt, die sie für wichtig erachtet. Dazu gehört, für eine ausreichende Rente für die Alten zu sorgen. Wie diese dann finanziert wird ist völlig egal, die Gesellschaft muss nur die Ressourcen für derartige Aufgaben haben. Das heißt, sie muss genug erwirtschaften, damit auch den Alten diese Leistungen erbracht werden können. Das sind Aufgaben die einer Gemeinschaft übertragen werden, so wie der Bau von Schulen oder Brücken, und müssen immer aus einem gegenwärtigem Budget finanziert werden.

Demzufolge ist es völlig egal, wie die Altersstruktur einer Gesellschaft ist, so muss nur dynamisch genug sein, um auf Veränderungen zu regieren. Auch und vor allem im Wettbewerb mit anderen Gesellschaften, um einen so groß wie möglichen Wohlstand zu erwirtschaften. Aus welchem Topf dann die Renten finanziert werden, ob man diese überhaupt noch an den Faktor Arbeit koppeln muss, wird diskutiert und entschieden, wenn Handlungsbedarf ist.

Dies scheint nach weit verbreiteter Meinung bereits so zu sein, weshalb sich die Interessengruppen in Stellung bringen. Das muss man nicht weiter beachten, wenn auch die Anliegen durchaus gerechtfertigt sind. Einen Interessensausgleich muss die Politik schaffen, aber nicht zwischen heutigen und zukünftigen Generationen, die eventuell über ganz andere Möglichkeiten verfügt, wenn man nur mal an den medizinischen Fortschritt denkt, sondern nur in Hinblick auf die heute lebenden Menschen. Und da hilft nur eines: den Wohlstand mehren, damit die Gesellschaft insgesamt in der Lage ist für die zu sorgen, die darauf gemäß gesellschaftlichen Konsens ein Anrecht haben. Ein Generationenvertrag in die Zukunft ist unsinnig, weil wir die Zukunft nicht kennen, und kann deshalb nur einer sein, den die heute lebenden Generationen geschlossen haben. Vorsorge ist also auch hier unangebracht, da es quasi eine Rechnung mit vielen Unbekannten ist, und eher so etwas wie eine Wette darstellt. Wir wetten darauf zu wissen, wie die Zukunft aussieht.

Die die noch nicht geboren sind, und die die schon tot sind, haben in der Gegenwart keine Rechte und keine Ansprüche, das haben nur die Lebenden, weil auch nur die Pflichten haben. Und dazu gehört die Pflicht Solidarität auszuüben. Das geht aber nur mit Lebenden, und je stärker die Bindung in einer Gemeinschaft ist, um so belastbarer ist auch Solidarität. Den Wohlstand der Lebenden zu mehren ist deshalb der einzige Weg zur Möglichkeit mehr Solidarität ausüben zu können, mit den Familien, den Rentnern, den Jungen. Selbstlose Solidarität gibt es nur bei in ganz festen Bindungen, so wie sie gemeinhin in Familien vorkommen. Aber selbst da wird auf die Toten, oder die noch nicht geborenen, kaum Rücksicht genommen. Und wenn man schon etwas gutes tun will, dann mehrt man den Wohlstand der Lebenden, das befähigt dann auch zukünftige Generationen besser auf Herausforderungen zu reagieren, wenn man schon meint, irgendwas für die Zukunft machen zu müssen. Verzicht auf Wohlstand wäre der allerfalscheste Weg.

Kommentare :

  1. "Und wenn man schon etwas gutes tun will, dann mehrt man den Wohlstand der Lebenden, das befähigt dann auch zukünftige Generationen besser auf Herausforderungen zu reagieren, wenn man schon meint, irgendwas für die Zukunft machen zu müssen. Verzicht auf Wohlstand wäre der allerfalscheste Weg."

    Deshalb müsste ja auch investiert werden, anstatt Geld zum Konsum umzuverteilen.

    Diese Erkenntnis hat nichts mit Ökologismus zu tun. Der sieht in Investitionen entweder eine Gefahr (-> Wachstum ist schädlich) oder betrachtet es als Investition, wenn bisherige Wirtschaftsleistung in Zukunft ineffizienter erbracht wird.

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  2. Hallo Quentin,

    völlig richtig. Wohlstand muss immer in der Gegenwart erwirtschaftet werden.
    Unser Rentensystem hat die Lasten die uns zwei Diktaturen hinterlassen haben
    gut geregelt. Unser Rentensystem ist der Ausdruck unserer Solidarität.
    Wenn ein Gysi erzählt, dass die DDR solidarischer war, dann hat er die solidarische Leistung der Bundesrepublik Deutschland nach dem Krieg ein Land wieder aufzubauen, Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren, ihnen Renten zu bezahlen und 1990 den abgewirtschafteten Pleitestaat DDR zu integrieren, den EX-DDR-Bürgern unmittelbar Rente zu geben und den Wiederaufbau der Ex-DDR zu bezahlen nicht verstanden. Das wurde alles mit Wachstum in der Gegenwart erwirtschaftet. Nun, vermutlich weiß Gysi das. Aber was für den Sozialisten nicht sein darf, wird weggeredet.

    Ein gesundes Neues Jahr
    Günter

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  3. Hallo Günter,

    ja der Gysi, wie andere Linke auch, verwechseln da was. Für die ist Solidarität wenn einer sie in ihrem Kampf für die »gerechte Sache« unterstützt. In Hinblick auf Solidarität scheint es mir wichtig darauf zu schauen, wann eine Gesellschaft bereit ist Solidarität zu üben, und wann nicht. Und ich denke, man muss das auch stark trennen zwischen der Solidarisierung von Mitgliedern einer Gruppe, die ihre Interessen vertreten wollen, hier Solidarität ein Machtfaktor ist, und auf der anderen Seite Solidarität, die aus einer Gruppe heraus einer anderen gewährt wird, vielleicht mit dem Begriff Fairness verwandt ist.

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  4. Hallo Quentin,
    Ich finde Angie Merkel hat das in ihrer Neujahrsansprache gut gemacht indem sie alle Menschen mit einbezogen hat.
    Denn das ist es genau. Alle Menschen in Deutschland tragen zum Wachstum und zur Solidarität bei.
    Im Grunde das Marx'sche Ideal realisiert in der kapitalistischen sozialen Marktwirtschaft. Jeder nach seinen Fähigkeiten.
    Im Gegensatz dazu unser Bundespräsidialpastor Gauck der denkt Deutschland besteht nur aus ehrenamtlicher Arbeit.

    Grüße
    Günter

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