März 14, 2015

Pressemeldungen im März 2015, kurz kommentiert


Post aus Jerusalem I von Göltz Aly in der Berliner Zeitung vom 30.03.2015. Aly arbeitet seit drei Wochen in der Bibliothek von Yad Vashem und wundert sich über die „tiefe Sorge um den Friedensprozess“, die mancher in Deutschland äußert. Denn nirgendwo im Nahen und Mittleren Osten sei es derzeit so friedlich wie in Israel.

Quentin Quencher am 31.03.2015 dazu:
„Wo leben Araber derzeit sicherer als in Israel? Wo haben sie besseren Zugang zu Bildung, Arbeit, Konsum und medizinischer Versorgung?“ fragt sich Aly, und er zeichnet das Bild einer eines boomenden Landes. Überall wird gebaut und er meint damit nicht den Siedlungsbau in den sogenannten besetzen Gebieten, Schlagzeilen also die hierzulande die Meldungen dominieren wenn es um Israel geht, sondern eine „tausendfältige Bautätigkeit innerhalb der international anerkannten Grenzen.“ Auch sein Ausblick stimmt hoffnungsvoll: „Noch zwei Jahrzehnte und das Heilige Land ähnelt Singapur.“ Bei der hiesigen Linken wird er sich mit seinen Beschreibungen keine Freunde machen, doch mit denen liegt er sowie über Kreuz, spätestens seit seinem Buch: "Unser Kampf. 1968 – ein irritierter Blick zurück"



Massenmigration und Zusammenhalt von Paul Collier in faz.net vom 29.03.2015. Die bisherige Immigration war ein moderater Gewinn. Eine zu starke ethnisch-kulturelle Diversität bedroht jedoch den sozialen Zusammenhalt und damit die Grundlagen des Wohlstands.

Quentin Quencher am 29.03.2015 dazu:
Eigentlich nichts Neues was Paul Collier beschreibt, aber überaus angenehm unaufgeregt bringt er wichtige Aspekte in die Diskussion ein, die hierzulande immer wieder, aus welchen Gründen auch immer, unterm Tisch fallen. Einige davon wurden auch verschiedentlich von mir angesprochen. Beispielsweise die Identitätsprobleme der Deutschen, warum heterogene Gesellschaften geringe Akzeptanz zur Solidarität untereinander aufweisen, und einiges mehr. Ein sehr zu empfehlender Text, dessen Schlusssatz ich hier noch zitieren möchte: „In einer moderaten Form ist eine nationale Identität ein wunderbares Erbe von immensem sozialen Wert, das wir pflegen sollten.“



Die da unten, von Stefan Locke in FAZ.net vom 21.03.2015. Verlieren »die da oben« den Kontakt zum (sächsischen) Volk? Fragt sich Stefan Locke und nennt seinen Bericht von einem »Dialogforum« mit dem die Landesregierung die offenbar gewordene Kluft zum Volk wenigstens e kleenes bissl schließen möchte: „Beobachtungen aus einem unzufriedenen Land“.

Quentin Quencher am 21.03.2015 dazu:
In der Tat, liest man seinen Bericht, versteht man die Unzufriedenheit der Sachsen mit ihrer Regierung und Verwaltung. Nun wird auch deutlich, dass die mangelnde Wahlbeteiligung, bei der letzten Landtagswahl sind weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten zur Wahl gegangen, kein Ausdruck von Zufriedenheit war, die ja mitunter auch lähmend auf die Bereitschaft zur Stimmenabgabe sein kann, sondern Ausdruck des Missmuts. Dieser, der Missmut, wurde durch dieses Dialogforum nicht verringert, auch nicht die gefühlte Kluft zwischen den »da oben und den kleenen Mann«. Das allerdings hat in Sachsen Tradition und ist ein Ergebnis der Geschichte, nicht nur der jüngeren. Von denen da oben erwartet man in Sachsen schon seit Jahrhunderten nicht viel. Hier habe ich beschrieben warum es so ist: August der Starke, die Sachsen und Pegida



Griechen müssen die Opferrolle überwinden, von Götz Aly in der Berliner Zeitung vom 16.03.2015. Unentwegt benutzen griechische Politiker die im Zweiten Weltkrieg von Italienern, Deutschen und Bulgaren angerichteten Schäden als Ausreden für ihr heutiges Versagen.

Der Perlentaucher am 17.03.2015 dazu:
Götz Aly, nicht unbedingt um das Glätten der Wogen bemüht, wirft in der Berliner Zeitung griechischen Politikern "geistige Verrohung" vor und macht eine ganz anderen Rechnung in Sachen Kriegsschulden auf: "Tatsächlich wurden den 46.000 Juden von Saloniki unter deutscher Besatzung mindestens zwölf Tonnen Gold geraubt - und zwar im besten Einvernehmen mit der griechischen Regierung. Das Gold wurde nicht als Schatz gehortet, sondern 1942/43 unter aktiver Mitwirkung des griechischen Finanzministeriums und der Griechischen Nationalbank an der Athener Börse von griechischen Brokern an Griechen gegen Papierdrachmen verkauft... Über die Börse landete das Gold der Juden in den Händen nun reich gewordener Griechen, während die Deutschen mit den zum Tageskurs dafür bezahlten Drachmen griechische Waren und Dienstleistungen sowie die eigenen Soldaten bezahlten."
perlentaucher.de: 9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2015



Gentechnik: Golden Rice Report 1 – Philippinen, von Hans-Jörg Jacobsen in Novo-Argumente am 16.03.2015. „Allow Golden Rice Now!“ ist eine Initiative für die Legalisierung des gentechnisch veränderten „Goldenen Reis“. Der Reis gilt als großer Hoffnungsträger im Kampf gegen Vitamin-A-Mangel.

Quentin Quencher am 16.03.2015 dazu:
Greenpeace ist zwar keine Presse, sondern eine NGO, doch lügen tun sie noch dreister. Jacobsen berichtet: „Angebliche „Reisbauern“ verwüsteten einen Freilandversuch mit einer neuen Variante des Goldenen Reis.“ Inszenierte Propaganda, die nie und nimmer von Reisbauern durchgeführt wurde. Übrigens, Reis in den Philippinen, der ist wie das Brot hierzulande. Es ist die erste Handlung morgens, einen Topf Reis aufzusetzen, und der Geruch ruft bei Philippinos, wahrscheinlich in Asien generell, ein Gefühl hervor, welches der Geruch von frisch gebackenen Brot es bei uns tut. Und leider ist es gerade bei ärmeren Leuten das wirklich einzige was sie zu essen haben. Manchmal noch ein bisschen Trockenfisch dazu. Golden Rice hätte schon vor Jahren genemigt werden müssen. Es hätte Menschenleben gerettet. Aber dafür interessiert sich Greanpeace ja nicht. Siehe auch: hier und hier.




Michael Krons im Gespräch mit Thomas Mayer, Phoenix am 15.03.2015: Thomas Mayer, ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank und Gründungdirektor des Flossbach von Storch Research Institutes, ist für einen Austritt Griechenlands aus der europäischen Währungsgemeinschaft, und zwar aus "politischen und ökonomischen" Gründen.

Quentin Quencher am 15.03.2015 dazu:
Schon wegen drei markanten Äußerungen Mayers lohnt es sich diese Sendung anzuschauen. Erstens: „Es ist ein ökonomischer Fehlschluss, zu glauben, dass eine Schwachwährungsstrategie ökonomische Vorteile bringt.“ Als Beispiel nennt er die Unterschiede in der Arbeitslosenstatistik in Ländern die in der Vergangenheit abgewertet, und denen die aufgewertet haben. Zweitens: „Es wird ein langes Siechtum geben“. Die Politik reagiert nur kurzfristig, auf tagesaktuelle Probleme. Dadurch werden wichtige Entscheidungen nicht getroffen und es kommt zum dauerhaften Dissens zwischen den Mitgliedern der EWU. Die Eurorettung hat Priorität gegenüber ein europäisches Zusammengehen. Und als Drittes: „Der Normalbürger ist der gekniffene in dem System, er bezahlt die Zeche.“




SPON, 14.03.2015: Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt fordert im SPIEGEL mehr Polizisten für den Kampf gegen den Terror

Quentin Quencher am 14.03.2015 dazu:
Vorsicht ist geboten, wenn die Grünen nach der Polizei rufen. Zur Erinnerung, Chem Özedmir gab letztes Jahr eine aufschlussreiche Erklärung zum Verfassungsschutz ab, in der er meinte:
„wir brauchen eine andere Polizeikultur, und die zivilgesellschaftlichen Akteure müssen gestärkt werden, weil sie die entscheidenden Player sind im Kampf gegen Rechtsradikale in unserer Gesellschaft.“
Welche zivilgesellschaftlichen Akteure er meint, das sagte er nicht, doch braucht es nicht viel Phantasie, sich vorzustellen wer das sein soll. Dann sind wir nicht mehr weit entfernt von einer Gesinnungspolizei. Wenn also die Grünen mehr Polizei fordern, was in Hinblick auf den Terrorismus durchaus gerechtfertigt ist, so müssen wir dennoch ganz genau hinschauen, was geschieht. Der Kampf gegen den Terror, mit einer neuen Polizeikultur nach Vorstellungen Özedemirs, könnte sich als trojanisches Pferd erweisen, welches unser Vorstellungen einer pluralistischen Gesellschaft und einer unabhängigen Polizei zerstören will.


Kommentare :

  1. Weil von Interessierter Seite wieder mal das Gespenst des Rechtsradikalismus bemüht wird ...
    Zur Gesamtbilanz der Gewalttaten von Ausländern und Rechtsradikalen eine ganz gute Zusammenfassung im Forum unzufriedener SED-Funktionäre: ein Mückenschiss

    Mehr zu diesem Thema beim Eulenfurz


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  2. Das mit dem Gespenst höre ich von den Parteigängern der Partei die früher SED hieß, in Bezug auf den Linksextremismus, auch andauernd.
    http://de.statista.com/statistik/daten/studie/4721/umfrage/vergleich-der-anzahl-von-rechten-und-linken-gewalttaten/

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