Juli 21, 2015

Die rot-grüne Angst vor der Familie

Als Otto Ludwig Piffl erfährt, dass seine Frau Scarlett schwanger ist, beginnt der ostberliner Kommunist zu schwärmen, und erklärt seiner Gattin welche fortschrittlichen Segnungen die Junge Familie zu erwarten habe.
OTTO: Wir müssen uns auf die Warteliste für das volkseigene Entbindungsheim und den volkseigenen Geburtshelfer eintragen lassen.
SCARLETT: Nein ich lasse mir lieber meinen Geburtshelfer aus Atlanta rüber fliegen, und meine Nurse und meine Gouvernante.
OTTO: Wofür? Der Staat sorgt doch für alles was nötig ist! Im Alter von sechs Monaten wird das Baby dann ins volkseigene Kinderheim übergeben. Natürlich können wir es dort immer besuchen, jeden zweiten Sonntag.
SCARLETT: Jeden zweiten Sonntag?
OTTO: Und natürlich sehen wir ihn am 1. Mai, wenn er vorbeimaschiert in der Parade, wir dürfen ihn auch zuwinken.
Soweit diese kleine Szene aus Billy Wilders Komödie »Eins, Zwei, Drei« mit Horst Buchholz und Pamela Tiffin in den Hauptrollen. Eine satirische Überzeichnung ist der ganze Film, die aber nur deswegen so realistisch wirken kann, weil dadurch der Kern einer Sache überdeutlich wird. Diese Anspielung auf das kommunistische Misstrauen gegenüber traditionellen Familien hat diesen wahren Kern. Es geht nicht nur darum, dass Kinder im Sinne einer bestimmten Ideologie erzogen werden, sondern auch und vor allem die Institution Familie zu schwächen. Denn in ihr, der Familie, werden Werte vermittelt, sie ist gar das Medium par excellence für die Weitergabe von Werten, wie der Soziologe Dieter Claessens meinte.

Auf diese in der Familie vermittelten Werte hat man es aber eigentlich abgesehen, will man einen Wertewandel in der Gesellschaft herbeiführen. Von Geschlechterrollen über Identitätsfindungsprozesse bis hin zu religiösen Überzeugungen, überall ist die Familie aller Anfang, und da man diese nur sehr bedingt kontrollieren kann, wird von denen die einen Wertewandel in der Gesellschaft anstreben, die Institution Familie immer kritisch beäugt. Am deutlichsten erkennbar war dies in den kommunistischen Staaten, die ihre Ideologie eben nicht bis in die Familien durchdrücken konnten, und deshalb versuchten, diese Institution zu schwächen, sie auf eine reine Solidargemeinschaft zu reduzieren.

Am Beispiel Kommunismus wird auch deutlich, wie berechtigt diese Angst vor der Vermittlung von tradierten Werten ist, so wie es eben in Familien ganz automatisch geschieht. Der Philosoph Boris Groys meint gar, ein Grund fürs Scheitern des Kommunismus wäre, dass es nicht gelungen ist, die Institution Familie zu zerstören.

Nicht nur Kommunisten ist dieses Misstrauen der Familie gegenüber eigen, sondern allen die meinen, die Bevölkerung mit neuen, oder wahlweise alten, Werten erziehen zu müssen. Die Pädagogisierung der Gesellschaft wird als zwingend angesehen, von Leuten die davon überzeugt sind, dass neuartige globale Herausforderungen einen Wertewandel notwendig macht. Damit sind wir bei den apokalyptischen Vorstellungen einer übernutzten Erde, unter andern. Nicht zu vergessen die Identifizierungsprozesse, die automatisch durch die Wertevermittlung in Familien zu tun haben, und welche aufgebrochen werden müssen, um beispielsweise ein internationales, oder wahlweise globales, Bewusstsein zu bekommen.

Kurz und gut, allen die in missionarischer Art und Weise die Gesellschaft verändern wollen, sei es auf Basis von religiösen Vorstellungen oder ideologischen, sind automatisch misstrauisch den Familien gebenüber und wollen deren Erziehungshoheit beschränken. Die Familie bekommt gerade mal noch die Aufgaben einer Solidargemeinschaft zugewiesen.

Der Beifall aus politischen rot-grünen Ecke, dass das Bundesverfassungsgericht nun das Betreuungsgeld gekippt hat, ist nur vor diesem Hintergrund zu verstehen. Es ist ein Sieg über die Institution Familie, die sich als Keimzelle der Gesellschaft durch ihre Wertevermittlung und durch Identifikationsprozesse gezeigt hat. Genau darauf will man Einfluss haben, man traut der Familie nicht über den Weg.

Kommentare :

  1. Die Familie als primäre Institution der Sozialisation vermittelt dem Kind zwei grundlegende Rollen, die Geschlechterrolle und die Generationenrolle. Das Mädchen z. B. lernt, daß es Tochter, Schwester, Nichte ist und einmal Mutter, Ehefrau, Großmutter und Tante sein kann, adäquat das männliche Kind.

    Dieses Gefüge ist in der Tat grundlegend für unsere Gesellschaft. Ergänzt durch die sekundäre Sozialisation, die Schule, mit der soziale Kompetenz und Wissen vermittelt wird, ist die Grundlage des modernen zivilisierten Staates gegeben. Deshalb leben wir nicht mehr in vorindustriellen Sippen, unter feudaler oder klerikaler Willkür, sondern in Kleinfamilien und einer selbstgestalteten demokratischen Staatsform. Der Staat, oder der Nationalstaat, ist also der unabdingbare Rahmen.

    Es erklärt, warum die grünen Staatszerstörer und -hasser so massiv an diesen Institutionen angreifen. Man ahnt was die Zerstörung unserer Kultur und unserer Nation hervorbringen würde. Denn nicht zufällig forciert dieses Bewußtsein die Einwanderung vordemokratischer archaischer Kulturen, wie dem Islam, der solche Standards und Institutionen nie schaffen konnte und ebenfalls massiv bekämpft.

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  2. Interessanter Aspekt. Vermutlich wird der "Kapitalismus" so gehasst von den Linken und Grünen, weil er über die soziale und freie Marktwirtschaft all das erreicht hat was der Sozialismus sich vorgenommen hat und woran er kläglich gescheitert ist. Das sozialistische Gedankengebäude der Linken hat sich als Irrweg erwiesen, wie man an der DDR sah. Das Verzeihen sie nicht und arbeiten an der Zerstörung unserer erfolgreichen Kultur und ihren Institutionen.

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    1. Naja, ist das jetzt nicht ein bisschen einfach gestrickt, hinter jedem Linken und Grünen den Wunsch zu verorten, er hätte lieber im Sozialismus gelebt und hasst heute den Kapitalismus? Ich selbst habe einen realexistierenden Sozialismus live hautnah mitbekommen und in der Zeit (als Kind) hat er mir auch gefallen. Mein Weltbild von damals war zugegebenermaßen sehr einseitig. ;) Heute halte ich die soziale Marktwirtschaft und den Kapitalismus für die eindeutig bessere und effektivere Form und der Untergang der DDR war zwangsläufig und folgerichtig. Was mir damals auch nicht bewusst war, es gibt nicht DEN Kapitalismus (auch wenn einem das in der DDR in der Schule so weißgemacht wurde), sondern unterschiedlichste Schattierungen und vor allem Ausgestaltungsmöglichkeiten, was ja ein wesentliches Merkmal einer freiheitlichen Gesellschaft ist. Als ich in den 90er Jahren in den "Westen" kam, da wurde mir bewusst, dass die allermeisten Menschen den Kapitalismus und Marktwirtschaft für die beste Form halten, auch wenn dieser punktuell extrem kritisiert wurde. Das ist bei der Demokratie nicht anders, über die wird am meisten geschimpft und gezetert, aber man hält sie mehrheitlich noch für die beste Politikform.

      Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass die im Westen lebenden Linken sonderliche DDR-Fans waren oder gar begeistert vom real exisitierenden Sozialismus waren. Wäre dem so gewesen, hätte es damals einen echten Brain-Train vom Westen in den Osten gegeben. Dass das vollkommen in die andere Richtung ging, muss ich nicht extra erläutern, die Gründe dafür sind bekannt. Von daher halte ich die Hypothese, Linke und Grüne wollen unsere Kultur zerstören aus Rache am Sieg des westlichen Kapitalismus für wenig tragfähig. Die Frage wäre auch, was genau an der Zerstörung unserer Kultur und Institutionen gemeint ist. Lieber Herr Heß, an ein paar konkreten Beispielen wäre ich schon interessiert.

      Wenn u.a. die Ehe und Familie damit gemeint ist, da gibt es schon eine Sache, die mich wirklich nervt. Man reduziert in der öffentlichen Diskussion die intakte und gute Familie darauf, dass Vater und Mutter nicht geschieden sind. Als wenn die Scheidungsrate ein Indikator für gute oder schlechte Familienpolitik sei. Sie ist vielmehr ein Indikator von persönlicher und wirtschaftlicher Unabhängigkeit, die man in einer freiheitlichen Gesellschaft nur hoch einschätzen kann. Das damals weniger Ehen geschieden wurden, hat nichts damit zu tun, dass das Familienbild in der Gesellschaft besser war oder tolle Familienpolitik betrieben habe. Wenn man sich wenigstens darauf in der öffentlichen Diskussion einigen könnte, wäre schon viel erreicht.

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    2. Einfach gestrickt ist nicht Herrn Heß Kommentar, sondern Ihre Antwort darauf, Herr Hader. Und natürlich, wie immer, durchsetzt mit Unterstellungen die weder gesagt noch gemeint waren.

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  3. @Quentin Quencher, nur zur Klarstellung, ich habe nicht geschrieben, dass der Kommentar von Herrn Heß einfach gestrickt ist, sondern die Hypothese, dass Linke und Grüne aus Rache am Sieg der Marktwirtschaft an der Zerstörung unserer Kultur und Institutionen arbeite. Soviel zum Thema, wer wem was unterstellt. Ansonsten kann ich mit Ihrer Einschätzung bzgl. meines Kommentars gut leben. :)

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  4. Der Hauptfaktor, der die Institution Familie schwächt, ist die Konsumsucht. Sie führt einerseits dazu, daß es überhaupt immer weniger Familien gibt... ein Kind ist nunmal ein Faktor, der die Konsummöglichkeiten der Eltern einschränkt. Andererseits ist für maximale Konsummöglichkeiten die Werktätigkeit beider Eltern erforderlich... Die Arbeit am Arbeitsplatz erfordert einen Zeitaufwand, der die Möglichkeit der Arbeit in der Familie, am bzw. mit dem Kind, schon allein zeitlich stark einschränkt. Wenn also Eltern der Meinung sind, "Arbeiten" wäre wichtiger als "Erziehen", schwächt dies die Institution Familie erheblich und auf eine Weise, bei der ein politischer Einfluß nur dann vorhanden ist, wenn Bedingungen geschaffen werden, die diese Flucht aus der Erziehung in der Familie zugunsten der Arbeitstätigkeit erlauben oder begünstigen. Es stimmt, daß Forderungen nach "Kita für alle" und "Ganztagsschule" besonders prononciert aus dem linken Lager kommen, aber daß es diese Forderungen nicht inzwischen verbreitet auch außerhalb des linken Lagers gibt, kann man doch nicht behaupten.

    Eine spezifisch links-grüne Erosion der Institution Familie sehe ich woanders als in den Wunschvorstellungen von staatlicher Übernahme von immer größeren Erziehungsanteilen. Da gibt es zum einen eine moderne Grundstimmung, nach der das Hinterfragen von Autorität schon zum Wert wird, das Traditionelle eigentlich nur falsch sein kann, alles Neu zu machen nur richtig. Hier prägte die 68er-Generation unsere Kultur maßgeblich, d.h. erschwerte Erziehung dadurch erheblich, daß die Rebellion schon der Kinder, aber natürlich ganz besonders der Jugendlichen als wunderbare Sache angesehen wird, die es zu fördern gelte, im Namen des "Progressiven". Die Zeit, in der Eltern vom Kind als Autoritäten angesehen werden, endet heutzutage, wenn das Kind von "Progressiven" lernt, daß Auoritäten schlecht sind, vermutlich nur ihre illegitime Macht erhalten wollen, und ansonsten zu nichts nütze sind. Aber die Kinder lernen das immer früher, Rangordnungen oder gar die Möglichkeit rangordnungsmäßiger Überlegenheit abzustreiten. Resultat ist die große Erschwerung von Erziehung, der sich viele Eltern dadurch entziehen, daß sie überhaupt keine Erziehung mehr versuchen. Die verbreitet beobachtbare Verwahrlosung kommt ja nicht nur dadurch zustande, daß die Eltern gar nicht anwesend sind, um zu erziehen, sondern auch dadurch, daß sie mehr und mehr keine Lust mehr haben, zu erziehen, selbst wenn sie anwesend sind... weil es nicht zuletzt durch das allgemeine Klima der Autoritätsfeindlichkeit ein stückweit hoffnungslos geworden ist. Lieber läd man diese Arbeit bei Lehrern, Kitabetreuerinnen oder sonstigen Sozialarbeitern ab. Die zunehmenden Verwahrlosungen aufgrund nicht stattfindender Erziehung geben dann natürlich Argumente für die politische Klasse, etwa die Ganztagsschule zu fordern... nach dem Motto: Besser in der Ganztagsschule zu erziehen als gar nicht.

    Es sind aber nicht nur die Kinder, die links-grüner Ideologie bzgl. Rangordnungen und Autoritäten auf den Leim gehen, sondern auch Eltern... Resultat ist dann, das Kind unbedingt als "gleichberechtigt" behandeln zu wollen. Was die Auswirkungen dieser "demokratischen Erziehung" sind, darüber hat der Kinderpsychologe Michael Winterhoff einige lesenswerte Bücher geschrieben.

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  5. Wegen Längenbeschränkung hier noch der Rest meines Postings:

    Ein weiteres Merkmal linksgrüner Ideologie ist die Entverantwortlichung der Menschen in vielen Bereichen... wenn Eltern Kinder nicht erziehen, so liegt die Schuld, wenn es deswegen zu Problemen kommt, natürlich nicht bei den Eltern, sondern beim Staat, bei den Jugendbehörden, bei den Finanzbeamten, die nicht genügend Geld für Jugendheime bereitstellen, und was der Verrücktheiten mehr sind. Ein großer Teil der Attraktivität linksgrüner Ideologien rührt daher, daß sie es so einfach machen, sich persönlichen Verantwortungen zu entziehen. Verantwortlich ist ja immer der Staat, bzw. konkret der Reiche, weil er dem Staat sein Geld vorenthält, und der Reaktionär, weil er die falschen Staatsdiener ins Amt hebt. Als Reicher oder Reaktionär, d.h. als Angeklagter fühlt sich kaum jemand, die Absolution ist also erteilt.

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