Juni 30, 2017

Schnipsel im Juni'17

Wenn »Ehe für Alle« nur die Ehe betreffen würde, es wäre mir egal. Doch es geht um eine Neukonstruktion des Begriffs »Familie«, die dann der beliebigen Interpretation preisgegeben wird, sowie dem Zugriff der jeweilig Regierenden.

Ehe für alle ist ein Angriff auf die Institution Familie, sie wird zur reinen Versorgungsgemeinschaft herabgestuft. Verwurzelung, Identität, Tradition, alles nur noch Deko.

Nachrichtensprecher hatten früher so was wie ein Pokergesicht, es war nicht zu erahnen, was sie über die verkündeten Nachrichten dachten. Heute liefert deren Mimik bereits den Kommentar und eine Erklärung wie wir die Nachricht bewerten sollen. Von der Betonung ihrer Worte ganz zu schweigen.

Ralf aus MV: „Trump ist vielleicht zum Lachen, aber Merkel zum Kotzen!"

Geradezu zärtliche Blicke glaubte ich zu erkennen, auf den letzten Videos die Helmut Kohl zeigten und wie er zu seiner Frau Maike schaute. Was die beiden verband weiß ich nicht, Zärtlichkeit war dabei. Hat es was zu bedeuten?

Das (West)Europa der Zukunft wird man sich wie ein großes Sarajevo vorstellen können.

Was Israel betrifft, da bin ich parteiisch. Ich bin ein Fan dieses Landes und Zionismus ist eine legitime und richtige Sache.

Zitatat aus einer Rezension: „Es kommt immer anders, als man denkt. Futurologie, Technikfolgenabschätzung, Prognosen, Visionen – alles hinfällig.“

Ich kann auch mit »Moderne« und »Postmoderne« nicht viel anfangen. Keine Definition überzeugt mich, auch die Abgrenzungen nicht. Höchstens: Erstere ist ein säkulares Heilsversprechen, zweites ein mythisches. Aber Heilsversprechen sind sie beide.

Es gibt Worte die ich hasse, weil sie anmaßend sind. Die die sie benutzen, blasen sich auf.

Journalisten heute sind wie Uhrmacher, sie können verstehen wie die Rädchen ineinander greifen, wie was auf was in der Mechanik wirkt. Sie wissen wie die angezeigte Uhrzeit entstanden ist. Doch was die Zeit selbst ist, das wissen sie nicht. Mechaniker denken nicht über so was nach.

Werte, Überzeugungen und Leitkultur höre ich die Leute sagen, mich erinnern solche Beschreibungen, als wenn Schaufensterpuppen erklärt werden. Ich aber will Milieus und Mentalität begreifen, Schaufensterpuppen haben so was nicht. Menschen schon, und sie sortieren sich danach.

„Kleinbürgerlich“ gilt geradezu als Schimpfwort, dabei sind es die Kleinbürger die, die in einer Gesellschaft die Rolle einnehmen, die ein Unteroffizier in der Armee hat. Sie pflegen ihr Milieu, auch die Tradition, und sind in die örtlichen Lebenszusammenhänge eingebunden.

Werte, Überzeugungen und Lebensstil sollen die Einwanderer übernehmen, das ist die Rede von der Leitkultur. Doch diese ist eine Kopfgeburt und blendet die Milieus aus. Können Einwanderer hiesige Milieus nachbilden? Nein, sie schaffen sich eigene. Oder integrieren sich in hiesige, das aber nennt man aber Assimilation.

Er schäme sich fast es zu sagen, offenbarte sich mir der Freund vor 30 Jahren, er könne keine Romane mehr lesen, das Lebens selbst schreibe bessere Geschichten, man müsse nur die Biographien sehen. Seine ist ein Roman. Ob er auch die Geschichten des Lebens hätte lesen können, ohne die Romane zu kennen, frage ich mich heute?

Mit den Büchern lesen ist das so ein Ding. Auf mindestens sechs Langstreckenflügen (meist Singapur oder Hongkong) hatte ich Musils »Mann ohne Eigenschafen« dabei. Gelesen habe ich aber irgendeinen Krimi, den ich mir in der Flughafenbuchhandlung kaufte.

Ich liebe Autobahnkirchen, sehe da fast nur Leute die nicht da zu Hause sind, sondern unterwegs zu ihrem Ziel, doch kurz Rast machen, sich besinnen. Sie sind da anders, diese Menschen, als wenn sie am Ziel sind.

BRD und DDR waren Sphären mit dem Wunsch nach Geselligkeit, die nur partiell von Sphären der Grundüberzeugungen gestört wurden. Seit die Grundüberzeugungen größere Bedeutung bekommen haben, flüchtet der Wunsch nach Geselligkeit in einen universalen Rahmen, zum Nachhaltigkeitsideal. Dort, eigentlich eine Sphäre der Grundüberzeugung, kann sich die Geselligkeit wieder einrichten. Es ist ein imaginärer Raum entstanden, in dem sich Geselligkeit und Grundüberzeugung nicht mehr widersprechen. Im Begriff Nachhaltigkeit sind somit nun Romantik, Ideal und Ideologie vereint. Sollte die Lebenswirklichkeit die Sphäre der Geselligkeit aus dieser Dreieinigkeit vertreiben, wird sie sich eine neue Heimat suchen. Der Wunsch nach Geselligkeit wirkt politisch, ist selbst aber unpolitisch.

Ich hatte keine Schlüssel mehr, keine Wohnungsschlüssel, keine Autoschlüssel, nichts mehr, nur ein Ticket nach Fernost in der Tasche. Hier war ich nicht mehr, dort noch nicht angekommen. Diese Stunden habe ich als gefühlte absolute Freiheit in Erinnerung.

Momentan lese ich meist Bücher wieder, also solche die ich schon las. Manchmal sind diese Wiederholungen spannender als das erste mal, vor allem wenn viel Zeit dazwischen liegt. Ich spüre die Veränderung, was ich damals und was ich heute fühle.

Ich halte mich fern von den Wissenden, sie wollen mir meine Fragen beantworten, verstehen aber nicht was ich sage. Sie reden bevor sie die Frage verstehen. Außerdem will ich nicht wissen, was andere wissen, sondern welche Fragen sie haben.

Ich war immer neidisch wenn meine Frau das Baby stillte. Beide so glücklich in diesem Moment der Aufeinanderbezogenheit.

Boris Groys meint, und das gar nicht negativ: „Liberalismus und Rechtsstaat sind ihrem Ursprung nach reaktionär.“

Wem traue ich zu, den Kampf mit den grün unterwanderten Institutionen aufzunehmen? Diese Frage stelle ich mir immer vor einer Wahl.

Die evangelische Kirche hat das Paradies nicht im Spirituellen gelassen, sondern neu konstruiert und an Gaia verscherbelt.

Die Kirche, nicht nur die evangelische, betet nicht mehr zu Gott, sondern zu Gaia. Sie ist zu einem esoterischen Verein geworden.

Ich sah ein Mädchen vorüber gehen. Sie sah glücklich aus, glücklich in ihrer Welt, die eine ist, die mir verschlossen bleiben muss.

Tibis Leitkulturbegriff krankt an Rousseau, Adorno und Kant. Kein Wunder dass ich mich damit nicht anfreunden kann.
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