Januar 14, 2018

Der Wesentliche

Der Wesentliche hat sich viel angelesen, nicht systematisch, sondern partiell so wie es ihm vor die Nase gekommen ist. Die Auswahl seiner Lektüre wurde wie mit einer Fernbedienung vorgenommen, etwa so wie der unentschlossene TV-Seher durch die Kanäle zappt, dabei bequem auf dem Sofa sitzen bleibt, so wählt der Wesentliche aus den Schlagzeilen, die sich ihm aufdrängen, diejenigen aus, die ihm gerade am meisten ansprechen. Er hat sie alle gelesen, die Schlagzeilen, er weiß was auf allen Kanälen läuft. Das meiste davon hat er früher schon mal vernommen, Schlagzeilen wiederholen sich oft. Je öfter er sie liest, um so sicherer ist er sich zu wissen, was die Nachricht ist. Es ist die Kunst der Schlagzeilenmacher, einerseits bereits im Titel die Aussage kund zu tun, andererseits anzudeuten, dass im Text noch Wissenswertes verborgen sein könnte.

Auf diese Spielchen fällt der Wesentliche nicht mehr herein, die Schlagzeile muss genügen. Wie viel Zeit hatte er in der Vergangenheit vergeudet, als er noch die ganzen Nachrichten las. Das Wesentliche an der Nachricht, die Botschaft, die hat er schon längst verstanden und außerdem schon hundert mal gehört, den sozialen Medien sei gedankt. Sogenannte soziale Medien wie Twitter, und wie sie sonst noch heißen mögen, bilden seine Fernbedienung, hier kann er sich durch die Schlagzeilen zappen. Nur auf dem was sich in Schlagzeilen packen lässt, dem Wesentlichen, ist sein Wissen aufgebaut.

Kürzlich, seine Tochter lag mit Fieber im Bett, sollte er ihr ein paar Märchen erzählen, oder andere kindgerechte Geschichten. Er schaffte zwanzig Märchen in fünf Minuten. Mehr als die Überschriften fiel ihm nicht mehr ein, und wie die Märchen ausgegangen sind. Erzählen kann der Wesentliche nicht, nur aufzählen.





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