April 27, 2018

Der Nachbarsjunge ist tot

Das einzige Kind der Familie wuchs sehr behütetet auf, so berichtete mir meine Frau von einem Nachbarsjungen in Cebu/City, Philippinen. Nie durfte der Junge einfach nur mit den Kumpels spielen. So gut wie alles, was die anderen Kinder an diesem Ort so taten, wurde ihm verboten. Dann ertrank er im Meer. Er hatte sich von zu Hause davon geschlichen um einmal frei, so wie andere Kinder auch, sein zu können. Gelacht hätte er und wäre glücklich gewesen, als er mit einem Sack, gefüllt mit Styroporstücken, ins Wasser ging. Andere Kinder warnten ihn, dort wo er ins Wasser ging, war es zwar in diesem Moment ruhig, doch dann, wenn der Gezeitenwechsel einsetzt, kann es an dieser Stelle, der Meerenge zwischen den Inseln Mactan und Cebu, wegen der dann einsetzenden heftigen Strömungen ganz schön gefährlich werden. So war es dann auch, einen Tag später wurde der Junge von einem Fischer gefunden. Die Fürsorge der Eltern, die ihm verboten existentiell wichtige Erfahrungen zu sammeln, wurde ihm zum Verhängnis.

Immer wieder kommt diese Geschichte zwischen mir und meiner Frau zur Sprache, wenn es um unsere Kinder geht, oder mehr noch, wenn wir andere Kinder beobachten. Wo lernen diese Kinder die wichtigen Dinge, die sie für das Überleben in unserer Welt ertüchtigen?

Anderen Eltern mag es wichtig erscheinen, dass ihre Kinder immer einen Fahrradhelm tragen, nicht auf Bäume klettern, oder das es sich nicht gehört, sich mit Nachbarsjungen zu prügeln. Mir hingegen geht nie das Pflaster aus, die Brand- und Wundsalbe, eben die Hilfsmittel die man zur Versorgung von Verwundungen und Blessuren braucht. Aber am allerwichtigsten ist die Schokolade, mit der ich die Bälger nach ihren Niederlagen trösten kann.

Verletzungen und Niederlagen, Siege und Glück auch, sind in der Kindheit so was wie Impfungen für die Seele. Sie kann dadurch Antikörper entwickeln, um mit den Widrigkeiten des Lebens klar zu kommen und lernen, dass Entscheidungen oder Verhaltensweisen, das Tun insgesamt, Folgen hat. Eltern die ihren Kindern diese Erfahrungen vorenthalten, handeln genauso unverantwortlich wie die Impfgegner.




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