27. November 2015

Die Schmeichler kämpfen nicht

Wenn ich in diesen Zeiten in die Presse schaue, Nachrichten aus dem Fernsehen über mich ergehen lasse, dann drängt sich immer wieder die Figur des Schmeichlers in den Vordergrund. In Canettis »Komodie der Eiterkeit« - dort sind von einem totalitären Regime alle Spiegel verboten wurden um die Eitelkeit zu bekämpfen - kommt dem Schmeichler die Rolle zu, den Menschen zu erzählen wie sie aussehen. Sie wollen es ja wissen, und wenn es keine Spiegel mehr gibt, behilft man sich eben so. Geschäftstüchtig wie der Schmeichler ist, erzählt er den Leuten natürlich was sie hören wollen. Bestimmte Branchen, wie die Frisöre, erleben einen Boom, auch weil sie geradezu zwangsläufig ihren Kunden erzählen müssen wie diese aussehen. Selbst überprüfen können die Ihr Äußeres nicht mehr, es gibt keine Spiegel mehr.

Hier und heute, jetzt in Deutschland also, könnten die Menschen in den Spiegel schauen, sie wollen es aber nicht mehr, sondern lieben es umschmeichelt zu werden.

25. November 2015

Dialoge mit der Polizei

„Aus der Gruppe heraus wurden wüste Beschimpfungen gegen die Polizisten ausgesprochen.“

So steht es in einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Reutlingen. Bei der Gruppe handelt es sich um Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Aichtal-Aich, einem beschaulichen Nest zwischen Stuttgart und Tübingen gelegen. Nun ist dieser Ort in letzter Zeit immer wieder in den Lokalnachrichten zu vernehmen, fast immer wegen der dortigen Flüchtlingsunterkunft. Diesmal wurde ein Bewohner von anderen Bewohnern, alle hätten die gleiche Nationalität, bis zur Bewusstlosigkeit zusammen getreten und musste ins Krankenhaus gebracht werden. „Während der polizeilichen Anzeigenaufnahme kam es zu einer weiteren Körperverletzung und zu Unruhen unter den Bewohnern, heißt es weiter, und dass es der Polizei gelang, „die Situation unter Einsatz zweier Polizeihunde zu beruhigen und weitere Straftaten zu verhindern.“

22. November 2015

Der Machtlose

Der rechte Arm des Machtlosen besteht eigentlich nur aus einem überdimensionalen Zeigefinger. Als er noch klein war, bekam er den Spitznahmen »Winkerkrabbe«, weil eben dieser Riesenfinger an seiner Hand an dieses Krustentier erinnert, welches mit seiner Riesenschere auch nur Aufmerksamkeit erregen will, aber ansonst ist mit dem Ding nichts anzufangen. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit mit der Krabbe, auch sein Haltung und seine Art sich fortzubewegen erinnert daran. Immer irgendwie geduckt, nie aufrecht gerade. Ob er sitzt, oder geht oder steht, immer ist seine Höhe die gleiche. Kriechend schleichend seitwärts bewegt er sich, so scheint es, und geräuschlos. Er weiß selbst wie hässlich er ist, noch nie hat ihn ein Mädchen geküsst.

21. November 2015

Gibt es denn auch deutsche Terroristen?

fragte mich das Töchterlein. Wir sprachen über Terroristen im allgemeinen, zuerst hat mich die Kleine gefragt, wie wir uns denn unser zu Hause vor den Terroristen schützen könnten. Vom Fenster weg bleiben, habe ich gesagt, weil, eine Antwort habe ich auch nicht darauf, habe noch nicht darüber nachgedacht, ob ich mich zu Hause vor Terror schützen müsse. Der tagtägliche Überlebenskampf im trauten Heim, um die Zeit im Badezimmer, um die Zuständigkeiten für Geschirr oder Wäsche, und noch mehr, darum welche Umgangsformen noch als angemessen gelten dürfen, ließen mich manchmal denken, das Zuhause an sich ist schon Terror genug. Was natürlich Quatsch ist, weil es mit Terror eben gar nichts zu tun hat, sondern nur die Kämpfe im Spannungsfeld einer Familie beschreibt.

Also sprachen wir über den Terror von außen, er ist in das Leben der Kinder eingetreten, es beschäftigt sie, sie haben Fragen dazu und es

18. November 2015

Die Akute

Die Akute ist sehr kurzsichtig, alles was weiter als zwei Meter von ihr entfernt ist, nimmt sie nur schemenhaft war. Ihr Blick ist immer konzentriert auf den nächsten Schritt welchen sie zu tun hat, nur diesen Bereich kann sie überblicken. Sie kennt den Weg nicht, den sie bisher begangen ist, da sie nur immer kleine Teile davon Stück für Stück gesehen hat, nicht aber was darum herum ist. Keine Markierungspunkte, keine Bäume, keine Berge, Häuser oder Seen. Zwar kann sie riechen und hören, doch dem was sie da vernimmt, was sich da andeutet, dem schenkt sie keine große Beachtung. Ihr Fokus, worauf sich ihre Augen richten, das, und nur das, ist das wirklich wichtige. In der Ferne mögen Dinge geschehen die irgendwann auch einmal ihren Weg kreuzen werden, die Gerüche und die Geräusche deuten dies an, doch darum wird sie sich dann kümmern, wenn es in ihr Blickfeld gerät.