20. Juni 2021

Notizen im Juni 2021

Samstag 19. Juni 2021


W├Ąre der Zeitgeist nur so etwas wie eine Mode, ich k├Ânnte gut mit ihm leben, bin dann eben nicht modisch. Aber er ist eben keine Mode, sondern Weltsicht, die politisch wie wirtschaftlich Machtmechanismen nutzt und entwickelt denen ich dann ausgeliefert bin. Ausgeliefertsein ist immer Kr├Ąnkung.



Ich habe immer noch Respekt vor den Alten, sch├Ątze ihre Worte und Erfahrungen. Auch die J├╝ngeren achte ich, sie haben immer noch viele Fragen. Es ist meine Generation, die der Babyboomer, die ich mehr und mehr verabscheue, weil sie glaubt, die Weisheit mit L├Âffeln gefressen zu haben.



Es ist schon eigenartig, wie immer wieder Beobachtung und Erwartung verkn├╝pft ist: Es ist schw├╝l und windstill geworden am Abend und automatisch glaubte ich ein fernes Donnergrollen zu h├Âren, es war aber nur ein LKW, glaube ich, dessen fernes Poltern mich t├Ąuschte. Doch ich lausche weiter, die Erwartung bleibt.

30. Mai 2021

Notizen im Mai 2021

Samstag 30. Mai 2021


Die Sehnsucht ist in mir lebendig, Abstand zur Politik zu bekommen, sie als notwendiges ├ťbel zu betrachten, ihr aber keinen breiten Raum zu geben. Dann sehe ich die Masken, soll mich oder die Kinder testen, gar impfen lassen und so einiges mehr. Die Sehnsucht, von der Politik Abstand zu bekommen, wird schnell von der Wut auf sie verdr├Ąngt.
 
Um ehrlich zu sein, habe ich die Besch├Ąftigung mit der Politik immer als unter meiner W├╝rde angesehen, doch so oft sah ich mich dennoch gezwungen, mich mit ihr auseinanderzusetzen, weil sie, die Politik, nach meiner W├╝rde und meiner Freiheit griff. Es ist also nur Selbstverteidigung, wenn ich mich mit Politik besch├Ąftige.

1. Mai 2021

Der 1. Mai und die Trib├╝nen

Mir wurde das Interesse am Feiertag „1. Mai“ in der DDR gr├╝ndlich ausgetrieben, musste als Sch├╝ler mit der Klasse, der ganzen Schule, dann immer demonstrieren gehen. Doch das waren keine Demonstrationen, sondern Aufm├Ąrsche, und ich wurde gezwungen mitzumarschieren.

Zu Beginn, kurz bevor der Marsch durch die Stadt startete, wurden Plakate verteilt, irgendwelche d├Ąmliche Spr├╝che standen drauf. Die sollten wir ganz besonders gerade halten, wenn wir dann an der Trib├╝ne vorbeigingen, um die Parteibonzen zu huldigen, die gn├Ądig von oben herunterwinkten.