4. Juni 2020

Notizen im Juni

Donnerstag, 4. Juni 2020

 
300 Eu­ro soll es nun pro Kind ge­ben, als Hil­fe für die Fa­mi­li­en in der Co­ro­na­kri­se. Bei uns, mit un­se­ren fünf Kin­dern, ist das ein hüb­sches Sümm­chen, das man ger­ne mit nimmt. Mehr­wert­steu­er zu sen­ken ist auch nicht schlecht, nicht dass ich mir da­von et­wa viel er­war­ten wür­de, denn ob sich das auf die Ver­kaufs­prei­se durch schlägt ist frag­lich und wenn doch, wird es kaum spür­bar sein. Aber im­mer­hin wur­de mal ei­ne Steu­er ge­senkt, ein Vor­gang, den ich in die­sem Deutsch­land über­haupt nicht mehr er­war­tet hät­te. Schön wä­re es, ein Wett­streit der Ide­en für Steu­er­sen­kun­gen wür­de ent­ste­hen.
 
Und doch bleibt ein un­an­ge­neh­mer Bei­ge­schmack, denn das dies ir­gend­wie die Kon­junk­tur an­kur­beln wür­de, hal­te ich für we­nig wahr­schein­lich. Rund 15 Mil­lio­nen Kin­der be­kom­men der­zeit Kin­der­geld in Deutsch­land, macht al­so ins­ge­samt et­wa 4,5 Mil­li­ar­den was an die Fa­mi­li­en ex­tra aus­ge­zahlt wird. Das hört sich viel an, doch wenn wir es ins Ver­hält­nis set­zen, was al­les mit den ge­plan­ten 130 Mil­li­ar­den Eu­ro un­ter­stützt wer­den soll, dann re­la­ti­viert es sich sehr schnell. Denn da­von sol­len schon 50 Mil­li­ar­den für den „Kauf von Elek­tro­au­tos, den Auf­bau von La­de­säu­len so­wie die Un­ter­stüt­zung von Bahn und öf­fent­li­chem Nah­ver­kehr“ drauf ge­hen.
 
Für grü­ne Schnaps­ide­en wird al­so schon mal mehr als zehn­fa­che aus­ge­ge­ben. Aber wet­ten, wir wer­den in den nächs­ten Ta­gen nur noch da­von hö­ren, wie toll die Fa­mi­li­en hier­zu­lan­de un­ter­stützt wer­den, da­bei wer­den sie nur, je­den­falls wenn man die Zah­len ins Ver­hält­nis setzt, mit ei­nem Al­mo­sen be­dacht. Und jetzt re­den wir noch nicht mal von die­sem omi­nö­sen „Green-New-Deal“ der EU, die­se dort ge­nann­ten Sum­men will ich lie­ber nicht auf die die­je­ni­gen um­rech­nen, die das be­zah­len müs­sen.   #

2. Juni 2020

Bilderstürmer gegen das Bürgertum: Die Antifa

Die ge­gen­wär­ti­gen Kra­wal­le, die Plün­de­run­gen, Zer­stö­run­gen, haupt­säch­lich von der An­ti­fa oder ihr na­he­ste­hen­den Grup­pen be­gan­gen, sind im Grun­de »Po­li­ti­scher Iko­no­klas­mus«, ei­ne Art Bil­der­sturm ge­gen das »So­ci­al Dis­tan­cing« des Bür­ger­tums – dies bit­te nicht ver­wech­seln mit der räum­li­chen Dis­tan­zie­rung als Mit­tel zum In­fek­ti­ons­schutz ge­gen Vi­ren oder Krank­hei­ten. Das Bür­ger­tum hat näm­lich ein na­tür­li­ches Be­dürf­nis nach so­zia­ler Ab­gren­zung ge­gen­über an­de­ren so­zia­len Klas­sen und schafft phy­si­sche wie so­zia­le Mau­ern um sich her­um, schützt da­mit sich selbst und die ihm Na­he­ste­hen­den, sein Hab und Gut eben­falls. Das ei­ge­ne Au­to muss auch un­ter die­sem As­pekt, dem Be­dürf­nis nach Ab­gren­zung, ge­se­hen wer­den. Eben­so ist die Vor­lie­be für be­stimm­te Wohn­ge­bie­te, Schu­len oder Uni­ver­si­tä­ten, ja so­gar die Wahl ih­re Ar­beits­plät­ze oder Be­ru­fe sind von As­pek­ten des So­ci­al Dis­tan­cing durch­zo­gen.

1. Juni 2020

Das Pausenbrot

„Mei­ne Leh­re­rin hat ge­sagt, ich soll mein Ves­per an­ders ver­pa­cken. Das Plas­tik und das Alu­mi­ni­um sind nicht gut für die Um­welt.“ So mein Jüngs­ter, er geht in die 4. Klas­se, al­so noch in die Grund­schu­le. Mir ging au­gen­blick­lich der Hut hoch, denn nor­ma­ler­wei­se ha­be ich mit die­ser Leh­re­rin gu­ten Kon­takt, schät­ze sie als kom­pe­ten­te und gu­te Leh­re­rin, die Ge­sprä­che, wel­che wir führ­ten, wa­ren im­mer an­ge­nehm und vom ge­gen­sei­ti­gen Ver­ständ­nis ge­prägt. Sie weiß auch, dass ich im­mer die Pau­sen­bro­te für die Kin­der rich­te, meist ein fri­sches mit Wurst be­leg­tes Bröt­chen, so­wie ei­nen ge­schäl­ten Ap­fel. Als Ge­tränk neh­men sie ein Mi­ne­ral­was­ser mit, so eins vom Al­di oder vom Lidl, oh­ne Koh­len­säu­re in der 0,5 Li­ter Plas­tik­ein­weg­fla­sche. Das fin­de ich recht prak­tisch. Der ge­schäl­te und ent­kern­te Ap­fel wird ge­vier­teilt und in Alu­fo­lie ver­packt, das Bröt­chen kommt in ei­ne nor­ma­le Ves­per­pa­pier­tü­te, die gibts nicht beim Al­di, aber gleich ne­ben­an beim Ross­mann.

31. Mai 2020

Notizen im Mai

Sonntag, 31. Mai 2020

 
„Kanz­le­rin Mer­kel hat die­se Po­li­tik in den ver­gan­ge­nen Jah­ren weit­ge­hend al­lein ge­prägt. The­men wie Men­schen­rech­te und Rechts­staat­lich­keit sprach sie zwar an, ord­ne­te sie aber an­de­ren In­ter­es­sen un­ter, den Wirt­schafts­be­zie­hun­gen vor al­lem, aber auch dem Kampf ge­gen den Kli­ma­wan­del.“ So ist es in den MS-Nach­rich­ten zu le­sen. Es geht um den Kon­flikt um Hong­kong und Chi­na und wie sich die Bun­des­re­pu­blik da­zu stellt.
 
Ge­ra­de die­se Her­an­ge­hens­wei­se, im Ar­ti­kel als re­al­po­li­ti­sche Er­wä­gun­gen be­zeich­net, ist bei Mer­kel aber nicht nur in der Au­ßen- oder sons­ti­gen Po­li­tik zu be­ob­ach­ten, son­dern prak­tisch über­all. Men­schen­rech­te und Rechts­staat­lich­keit in­ter­es­sie­ren sie nur, wenn es ihr in den Kram passt. Meist sind sie nur hin­der­lich. Wah­len wer­den für nich­tig er­klärt, die Gren­zen für Ein­wan­de­rung ge­öff­net, der Rechts­staat zählt nicht mehr, der Cha­rak­ter ih­rer Po­li­tik, viel­leicht gar ihr ei­ge­ner, of­fen­bar­te sich schon lan­ge vor Co­ro­na oder den nun sich ab­zeich­nen­den Kon­flikt mit Chi­na. Ich muss mich kor­ri­gie­ren, das »viel­leicht« strei­chen, es ist ganz si­cher ihr ei­ge­ner Cha­rak­ter, der sich in ih­rer Po­li­tik zeigt, die po­li­ti­schen Über­zeu­gun­gen sind ne­ben­säch­lich.   #

15. Mai 2020

Die Verwandlung der Opportunisten

Die De­mons­tra­ti­on am 9. Mai in Stutt­gart ge­gen die Be­schrän­kun­gen des Le­bens, dem Shut­down, der Co­ro­na-Ver­ord­nun­gen, al­so al­le die­se Maß­nah­men von de­nen die Re­gie­ren­den und ein gro­ßer Teil der Be­völ­ke­rung an­neh­men, sie sei­en not­wen­dig zur Be­kämp­fung der Co­ro­na­Kri­se, be­gann ei­gent­lich schon auf dem Hin­weg in der S-Bahn. Ein jun­ger Mann, mit Ruck­sack und ei­ni­gen Pa­per­back­Aus­ga­ben vom Grund­ge­setz in der Hand, ging durch den Zug, ver­teil­te kos­ten­los un­se­re Ver­fas­sung. Ei­ni­ge steck­te er in die Ab­la­ge, dort­hin wo sonst die Wer­bung von der SSB drin ist, man­che wur­den ihm di­rekt aus der Hand ge­nom­men. So auch von ei­nem an die zwei Me­ter gro­ßen Hü­nen und ge­schätzt mit eben­sol­chen Bauch­um­fang. OK, das ist über­trie­ben, so dick war er dann doch nicht. Er sah eben recht be­leibt aus, ei­ne im­po­san­te Er­schei­nung; in sei­nen kur­zen Ho­sen und San­da­len wirk­te er al­ler­dings so, als wä­re er ge­ra­de aus ei­ner Asi-Pen­ner-Knei­pe ge­kom­men. „Oh ja, gib mir eins her, ich ha­be da schon lan­ge nicht mehr rein­ge­schaut,“ sag­te er viel zu laut zu dem jun­gen Mann, der die­se Büch­lein ver­teil­te, woll­te da­mit al­ler­dings ganz si­cher nur auf sich auf­merk­sam ma­chen und al­len zu ver­ste­hen ge­ben: „Schaut her, ich tra­ge kei­ne Mas­ke, ihr Feig­lin­ge!“