19. Januar 2022

Notizen im Januar 2022

 

Nachrichten, Berichte und Kommentare sind das eine, was man im täglichen Leben erfährt, das andere. Gestern habe ich in Esslingen erleben müssen, wie eine ältere Frau spielende Kinder anbaffte, sie sollen gefälligst „Ein-Meter-Fünfzig“ Abstand halten. Mir platzte der Kragen und ich schrie sie ziemlich laut an: „Lass die Kinder in Ruhe, du dumme Kuh!“. Nichts hat mich während der ganzen Corona-Zeit so in Wallung gebracht, wie diese unmögliche Person, dabei waren die Nachrichten, Berichte und Kommentare, die mich sonst so erreichen, doch viel schlimmer. Aber manchmal muss man es eben real erleben, um den Irrsinn zu begreifen.   

31. Dezember 2021

Notizen im Dezember 2021

 

Kann ich mir mein Land, meine Heimat (wenn ich eine hätte), über Ideologie oder über (Grund)Gesetze erklären? Nein, das geht nicht, da kommen nur wackelige Gedankenkonstruktionen heraus.   

 

 

Als Kind oder Jugendlicher konnte ich es mir meist nicht verkneifen, als Erstes die letzten Seiten eines Buches zu lesen. Erst als Erwachsener verlor sich dieser Drang, weil ich erkannte, dass die letzten Seiten bedeutungslos sind, wenn man den Weg dahin nicht kennt.   

 

 

Wir sollten die anregende Wirkung von Spaziergängen auf das Denken niemals unterschätzen. Nietzsche wusste das, Heidegger sowieso, Rousseau auch, Montaignes wanderte.   

 

22. November 2021

Notizen im November 2021


Der Freund war auf einen Kurzbesuch bei mir. Als er das Haus verließ, schaute ich aus dem Fenster und beobachtete, wie er zu seinem geparkten Auto ging: ganz brav auf dem Gehweg gehend und nicht die Abkürzung über die Wiese benutzend, wie er es früher immer getan hatte.
 
Etwas war geschehen mit ihm, in den anderthalb Jahren, die er im DDR-Knast wegen versuchter Republikflucht saß. Das war ca. 1982. Wie werden wir uns alle 2022 verändern? Wird es noch Menschen geben, die nicht die vorgeschriebenen Wege gehen?



Würde ich an mir feststellen, dass ich wie die Mehrheit denke und fühle, müsste ich in mich gehen und nachfragen, wie denn dieser schlimme Zustand eintreten konnte.



Dass Regierung und Verwaltung oft in ihrer eigenen Welt leben, in der dann völlig irre Entscheidungen getroffen werden, ist nicht neu für mich. Das ist immer und überall so. Dass aber die Bevölkerung schreit: „Nehmt mir meine Freiheit weg!“, das schockiert mich schon.