21. Oktober 2021

Notizen im Oktober 2021


„Es ist unsere gro├če Aufgabe derzeit, zu lernen, wie man mit Idioten auskommt, ohne selbst zum Idioten zu werden.“ Das sagte ich den Kindern heute Morgen, die einfach keine Lust mehr haben, in diesen idiotischen Zeiten zur Schule zu gehen.



W├Ąre ich Deutschlehrer, ich w├╝rde, wann immer es m├Âglich ist, Schelmenromane besprechen, den Simplicissimus, den Schwejk, Jacques den Fatalisten, Don Quijote und was es sonst noch gibt. Wie anders denn als Schelm, kann man heute noch die Gegenwart ertragen?



Habe gerade den Fr├╝hst├╝ckstisch abger├Ąumt, die Kanne Kaffee war leer, die mit dem Kaba noch fast voll. Familien ver├Ąndern sich und etwas wehm├╝tig denke ich an die Zeit, als das noch genau anders herum war.

17. Oktober 2021

Warum ich kein Gr├╝ner wurde

Da einige meiner Freunde, Ende der Siebziger, so begeistert Hesse lasen, ich manchmal den Eindruck hatte, die schlafen mit dem ″Siddhartha″ unterm Kopfkissen, nahm ich mir ″Kinderseele″ sowie ″Klein und Wagner″ von ihm vor, um selbst einen Eindruck davon zu bekommen, was an dem Schriftsteller so faszinierend sein soll und warum meine Freunde so begeistert von ihm sind, und merkte doch schnell, mit diesem Autor kann ich nichts anfangen. Jahre sp├Ąter, nun in Westdeutschland, lasen sie dann so Dinge wie den ″Papalagi″, waren Fans von Habermas und Adorno und geh├Ârten zu den Anh├Ąngern der Gr├╝nen.


26. September 2021

Notizen im September 2021


Zwei Getr├Ąnke wurden mir serviert, das eine hie├č Freiheit, das andere Sicherheit. Pur ist keines von beiden genie├čbar, aber als Cocktail lecker. Die Kunst ist, das richtige Mischungsverh├Ąltnis zu finden. Mir ist die Freiheit mit einem Spritzer Sicherheit am liebsten.



Freedom Day! Welch s├╝├čen Klang dieses Wort hat.



„Wir m├╝ssen eine Brandmauer gegen Hass und Hetze errichten“, so ├Ąhnlich jedenfalls propagierten sie es. Nun aber wird klar, es handelt sich bei diesen errichteten Mauern nicht um Brandmauern, sondern um Gef├Ąngnismauern, Gedankengef├Ąngnismauern.



Immer war es die Hoffnung der Eltern, dass es ihren Kindern mal besser gehen w├╝rde als ihnen selbst. Wohin ist er verschwunden, dieser Zukunftsoptimismus? Die allgegenw├Ąrtigen Dystopien haben ihn zerst├Ârt.