3. August 2021

Notizen im August 2021


Ständig greift irgendwas oder irgendwer nach mir, will mich impfen, sabbert mir ins Ohr, was ich zu tun und zu lassen habe, was richtig und was falsch ist. „Halt die Fresse!“, „Fass mich nicht an!“, so schreie ich. Es nützt nichts, der Staat glaubt das Recht dazu zu haben.



Zwei Fachleute bauten je ein Auto, ein Techniker und ein Designer. Mit dem einen Auto wollte keiner fahren, mit dem anderen konnte keiner. Das eine sah schrecklich aus, das andere funktionierte nicht. So ist es mit Fachleuten, wenn man sie nicht zur Kooperation zwingt.



Wie ein Pilzmyzel durchdringen Parteien oder politische Organisationen den Boden der Republik. Ihre Fruchtkörper sind auf Plakaten zu sehen oder von ihnen ist in Zeitungen geschrieben. Diese Leute abzuwählen, sie als giftig oder ungenießbar zu bezeichnen, bringt nicht viel, solange das Myzel unberührt bleibt. Dieses bringt einfach neue Fruchtkörper hervor.

1. August 2021

Die Insel

Die für mich eindrucksvollste Szene im Film ›Cast Away‹, mit Tom Hanks in der Hauptrolle, ist ganz am Ende. Er steht auf einer Kreuzung irgendwo im weiten Land, irgendwo im mittleren Westen der USA, so scheint es und es ist nicht klar, wohin die Wege führen, aber er ist nicht verloren in der Weite, sondern irgendwie glücklich. Den Großteil des Films machte die Beschreibung seines Lebens auf einer einsamen Insel aus, auf der war er nach einem Flugzeugabsturz, als einziger Überlebender, gestandet. Wie der Schiffbrüchige Robinson Crusoe, nur eben im Heute.

Immer wieder üben diese Vorstellungen, wie denn das Leben auf einer einsamen Insel sei, große Faszinationen aus, ›Geheimnisvolle Insel‹, ›Schatzinsel‹, ›Insel des vorigen Tages‹ und viele weitere Romane und Erzählungen spielen damit. Und manchmal, so ertappe ich mich, sehne ich mir einen Ort, an dem ich als Einsiedler sein kann, fern dieser Welt, ganz allein mit mir beschäftigt und meiner direkten Umgebung.


31. Juli 2021

Notizen im Juli 2021


Wem der Begriff „Totalitarismus“ nicht viel sagte, zu abstrakt war, erlebt nun in diesen Zeiten der Freiheitsberaubung, wie er sich anfühlt.



Oft habe ich mich schon über den Zeitgeist ausgelassen, dabei aber noch nie angemerkt, was mir an ihm besonders negativ auffällt: seine Humorlosigkeit!
 
Dies ist eindeutig dem Diktat der politischen Korrektheit geschuldet.



An der Wand hängt eine große Weltkarte, daneben steht ein Globus. Beide berichten von der gleichen Welt, hinterlassen aber doch völlig verschiedene Eindrücke. Der Globus weckt Sehnsüchte, die Karte deutlich weniger.