13. Mai 2019

Schnipsel 2019, Fünfte Sammlung

Schwer fällt es mir, die derzeitigen Umfragewerte für die Grünen zu verstehen? So gut wie alles was die fordern, läuft auf ein Desaster hinaus. Energie, EU, Verkehr, Bildung, Einwanderung … sind die Umfragen frisiert? – wahrscheinlich schon, zumindest zum Teil. Doch das erklärt es nicht. Was also verspricht sich der Grünen-Wähler von seiner Entscheidung? Was begehrt er? Es kann nur mit einer Art Sinnsuche zu tun haben, mit der Hoffnung, eine Erklärung für das eigene Dasein zu bekommen.

So gut wie alle alten sinngebenden Erzählungen verblassen und scheinen nicht mehr gültig. Die eigene Zuordnung zu einem Volk, zu einem Glauben, zu einer Religion, zu einer Identität, wie sie von den Vorfahren weiter gegeben wurde – alles dies verschwindet im Halbschatten, dort sind sie noch erkennbar, doch wirken sie wie Relikte aus einer vergangenen und unaufgeklärten Zeit und in diesem Sinn-Vakuum haben Scharlatane wie die Grünen ein leichtes Spiel.

13. April 2019

Schnipsel 2019, Vierte Sammlung

Einfach nichts tun, nicht lesen, nicht spielen, sondern einfach nur da sitzen und träumen oder beobachten. Genau das übe ich gerade wieder öfters. Das kann Spaß machen und geht ganz ohne Smartphone oder sonstige Hilfsmittel der Selbstablenkung vom Dasein. Andere meinen, dies sei Meditation. Das mag stimmen, nur mit dieser Beschreibung wird mein ›nichts tun‹ dann doch wieder zu einer Handlung, weshalb ich es ungern so nenne.

3. April 2019

Die Hybris der Gockel

Meine Generation hat in ihrer Jugend an der Freiheit geleckt, sie gefühlt und genossen, im Osten zwar nur imaginär, aber dennoch. Sie schmeckte wie das Frühjahr, so voller Versprechen. Nun verwelken die Blüten, der betörende Duft der Freiheit verschwindet. Kurz nur, eine, vielleicht zwei Generationen lang, glaubten die Menschen, die Welt wäre wirklich so, wie sie sie wahr nahmen. Doch es war nur ein Rausch. Und nun, im Kater danach, sind die Sinne beleidigt. Sie wollen nicht akzeptieren was sie sehen. Gebt uns unsere Versprechen, unsere Hoffnung wieder, schreien sie.

31. März 2019

Gut, Böse, Freund und Feind

Wir erleben eine Wiederkehr der Gut-Böse-Unterscheidung. Das Urteil des ›Jüngsten Gerichts‹ wird vornweg genommen. Vom Reich des Bösen wird gesprochen, mindestens gedacht. Dem Gegner wird Hinterhältigkeit unterstellt, sich selbst hehrer Motive attestiert. Hier die Guten, dort die Bösen, die eigene Moral verhüllt die Interessen, bei sich selbst, wie beim Gegner. Zu akzeptieren, dass auch der Gegner ›gute Gründe‹ für sein Tun hat, oder zumindest haben könnte, kommt den Kontrahenten nicht in den Sinn. Das Böse wäre ja dann auf einmal nicht mehr uneingeschränkt böse, das Gute nicht mehr gut.

25. März 2019

Eigentlichkeiten

Im Wikipediaeintrag über Adornos Werk ›Jargon der Eigentlichkeit‹ ist zu lesen:

Der Jargon fungiere als „Kennmarke vergesellschafteter Erwähltheit", edel und anheimelnd in eins; Untersprache als Obersprache; der Jargon verwende "marktgängige Edelsubstantive", Worte die "klingen als ob sie Höheres sagten, als was sie bedeuten", die sakral sind ohne sakralen Gehalt, Effekt sind als Wirkung ohne Ursache, die ein "nicht vorhandenes Geheimnis" vorgeben, die eine "Himmelfahrt des Wortes, als wäre der Segen von oben in ihm zu lesen" suggerieren, ein "ständiges Tremolo" und eine "präfabrizierte Ergriffenheit".

Weiter steht da:

16. März 2019

Schnipsel 2019, Dritte Sammlung

Wir werden die Veränderungen in der Gesellschaft nicht ohne die Betrachtung des Begriffs und des Gefühls für „Heimat“ begreifen können. Heimat ist nicht mehr vorrangig so, wie sie Peter Blickle beschreibt, als ein Bild von einem Raum zu verstehen, das sich das Individuum macht, in dem es ein Zugehörigkeitsgefühl für seine Bewohner, Sitten und Gebräuche entwickelt, um sich selbst auf einer sozialen Ebene zu versichern und die eigene Identität zu stabilisieren.

Das hat sich gewandelt: nun ist Heimat ein idealistisches narratives Konstrukt, kein konkreter Ort mehr. Letztlich entwickelt die Imagenation einer Utopie ein Gefühl von Heimat.

10. März 2019

Eine Binse über die Familie

Die Verrücktheiten der Zeit zwingen einen manchmal, ganz einfache Binsen von sich geben, solche die eigentlich ins ›Wort zum Sonntag‹ gehören, dort aber schon lange nicht mehr auftauchen. Stattdessen da, wie überall, ständiges Gendergedöns, um nur einen Punkt aus den gegenwärtigen öffentlichen Aufregungen zu benennen. Meist geht es um empfundene Ungerechtigkeiten, oft konstruiert, und mit Statistiken wird mehr agitiert als argumentiert. Manches betrifft den Gehaltsunterschied für Frauen, den es vielleicht wirklich gibt, der aber erst mal gar nichts aussagt. Um den zu verstehen, muss die Familie betrachtet werden. Ich meine die richtige Familie, die mit Kindern, alles andere sind ja nur Partnerschaften. Beginnen wir mit dem Kindergarten oder der Schule.