Juli 18, 2018

Ein Tag am See

Eine Gruppe junger Männer, ein paar wenige Frauen waren auch dabei, trafen sich am See und begannen schon am Morgen mit der Party. Bier- und Wodkaflaschen gingen rum, es wurde rum geschrien und gepöbelt. Letzteres nehme ich mal an, ich konnte nicht verstehen, was sie sagten, in irgendeiner osteuropäischen Sprache geschah es. Wahrscheinlich kroatisch, ich glaubte auch die Bezeichnung ›Kurva‹ vernommen zu haben, jedenfalls wurde eine der Frauen so bezeichnet. Es war der Tag vor dem Endspiel der diesjährigen Fußballweltmeisterschaft, vielleicht feiern die sich deswegen, so dachte ich mir. Die Zuordnung ist aber nicht so wichtig.

Für andere anwesende insgesamt eine sehr unschöne Situation: sich aggressiv gebärende, schon am Morgen halb besoffene junge Männer, an einem Platz, an dem ich mit meinen Kindern baden gehen und ein neues Schlauchboot ausprobieren wollte. Ich bin dann auch nicht der Typ, der ruhig bleibt, und machte deutlich, dass ich von ihnen erwarte, sich hier zivilisiert zu benehmen. Es hat nicht viel genutzt, komisch nur, als meine Frau einen der Pöbler mit dem Wort ›Respekt!‹ anschrie, war kurz Stille. Respekt! Respekt! Respekt! wiederholte er eher leise und es schien ihm zu dämmern,

Juni 22, 2018

Geheimunternehmen Kohleausstieg

„Die Kommission zur Planung des Kohleausstiegs soll grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagen. Auch die Ergebnisprotokolle der Sitzungen sollen vertraulich sein, wie es in einem Entwurf der Geschäftsordnung, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, heißt. Die 31 Kommissionsmitglieder, von denen 28 stimmberechtigt sind, werden demzufolge zur Vertraulichkeit verpflichtet.“ wird vermeldet.

MMM (Merkel, Murks und Mauschelei) in Reinkultur. In Sonntagsreden wird von Transparenz geredet, dies von der Wirtschaft eingefordert, wenn es aber darum geht politische Entscheidungsprozesse nachvollziehbar, also transparent zu machen, dann ist schnell Schluss mit lustig.

Die Mutter- oder Vaterwerte

Werte sind wie Sprachen. Wer sie in der Wiege gelegt bekam, über die Umgebungskultur absorbierte, nimmt sie als Selbstverständlichkeit wahr. Wir sollten in diesem Zusammenhang von »Mutterwerten« oder »Vaterwerten« sprechen und denken. Nicht in Form von Vermächtnissen aus der Vergangenheit, sondern als etwas lebendig erlebtes im Hier und Jetzt. Werte werden intuitiv erlernt, wenn man in diesem Werteraum aufwächst. Sollen sie durch andere Werte ersetzt werden, setzt dies bedingungsloses kritisches Reflektieren der eigenen Herkunft voraus. Dann aber, und das merkt man beispielsweise Menschen wie Hamed Abdel-Samad oder Imad Karim und anderen an, Menschen also, die die Kultur der sie entstammen sehr kritisch reflektieren, dann entfalten diese neu erlernten Werte so etwas wie eine identitäre Wirkung. Sie werden zur neuen Heimat, vielleicht auch Ersatzheimat.

Juni 21, 2018

Schnipsel 2018, Dritte Sammlung

Die »Offenbarung des Johannes« war mein religiöser Scheitelpunkt, von da an sah ich »Glauben« zunehmend kritisch. Nicht ganz unschuldig an dieser Kehrtwende war ein evangelischer Pfarrer der Kirchengemeinde meines Geburtsortes, mit dem ich als Teenager viele ausführliche Gespräche führte. Er erklärte mir nämlich, dass, schon als die Schriften zum Neuen Testament zusammen gestellt worden, gerade die »Apokalypse« sehr umstritten gewesen sei und nicht ganz einmütig in den Kanon der Schriften aufgenommen wurde. Von da an erschien mir das die »Heilige Schrift« nicht mehr als etwas von Gott gemachtes, sondern als menschliche Gedanken über Gott. Hierin erscheint mir auch der größte Unterschied zum Koran, der dies ja ausdrücklich ausschließt, von sich behauptet, das Wort Gottes zu sein.