24. Juli 2020

Notizen im Juli 2020

Donnerstag, 23. Juli 2020


Kein Akt der Be­frei­ung, wie bei ei­ner Na­tio­nal­staats­gr├╝n­dung, geht dem Im­pe­ri­um vor­aus, son­dern ei­ne Macht­kon­zen­tra­ti­on durch die Eli­ten. Ein Im­pe­ri­um ent­steht „von oben“, nie­mals „von un­ten“. Die Ba­sis ist nicht das Volk, son­dern Macht. Das ist nun bei der EU auch nicht an­ders. Sie will Im­pe­ri­um sein, dar­an be­steht f├╝r mich kein Zwei­fel.
 
Im­pe­ri­en zer­fal­len im­mer, wenn die in­ne­ren „Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren der Mach­t“ zu­sam­men­bre­chen. Nur die Macht h├Ąlt ein Im­pe­ri­um zu­sam­men. Des­halb geht es bei der „eu­ro­p├Ąi­schen Ei­ni­gun­g“ zu­erst um die An­h├Ąu­fung von Macht.
 
F├╝r mich be­steht kein Zwei­fel, die so­ge­nann­te „Eu­ro­p├Ąi­sche Ei­ni­gun­g“ ist ih­rem Cha­rak­ter nach der Ver­such ein Im­pe­ri­um zu schaf­fen. Frei­lich wer­den die Ak­teu­re es an­ders nen­nen, et­wa B├╝nd­nis oder Uni­on, doch das ist nur Au­gen­wi­sche­rei.


Sonntag, 12. Juli 2020


Wer hin­schau­te konn­te schon lan­ge sol­che Ent­wick­lun­gen se­hen, wie sie der­zeit in den In­nen­st├Ąd­ten pas­sie­ren und die ver­harm­lo­send als „Par­ty­sze­ne“ be­schrie­ben wer­den. In Wirk­lich­keit ist es „In­be­sitz­nah­me von ├Âf­fent­li­chen Raum“.



Wenn die Mus­li­me, haupt­s├Ąch­lich die T├╝r­ken, nun die Um­wand­lung der Ha­gia So­fia in ei­ne Mo­schee fei­ern, dann ist das ei­ne Fei­er der Er­obe­rung. Sie schu­fen die­ses Haus nicht. Frei­lich kann man auch auf Er­obe­rung und Un­ter­wer­fung stolz sein, al­le Ag­gres­so­ren tun das.



In der Uni­on, so ver­mu­te ich, geht die Angst um, dass es nach der n├Ąchs­ten Wahl f├╝r Schwarz­Gelb rei­chen w├╝r­de. Das wird vie­len in der Par­tei, die sich schon ziem­lich si­cher mit den Gr├╝­nen im ge­mein­sa­men Nest se­hen, so gar nicht pas­sen.


Samstag, 11. Juli 2020


Ich wa­ge es hier nun, ei­nen Ver­dacht zu ├Ąu­├čern, auch auf die Ge­fahr hin, mich l├Ą­cher­lich zu ma­chen. Zu­erst die Be­ob­ach­tung. Ers­tens: Das Co­ro­na­vi­rus ver­brei­tet sich in ver­schie­den L├Ąn­dern un­ter­schied­lich schnell und in­ten­siv. Zwei­tens: Oft wa­ren Zen­tren der Ver­brei­tung R├Ąu­me, in de­nen ge­sun­gen wur­de.
 
Die Deut­sche Spra­che wird von Frem­den oft als h├Âl­zern und we­nig me­lo­disch be­schrie­ben. K├Ânn­te dies ein Grund sein, dass das Vi­rus in Deutsch­land ver­gleichs­wei­se we­nig ver­brei­tet ist, weil, so wie die Men­schen hier spre­chen, so wie sie ih­re Lau­te im Mund ent­ste­hen las­sen, da­durch we­ni­ger Vi­ren frei ge­setzt wer­den, Deutsch m├Âg­li­cher­wei­se mehr im vor­de­ren Be­reich des Mun­des ent­steht, war­um es auch so h├Âl­zern klingt, w├Ąh­rend die me­lo­di­schen Spra­chen mehr aus dem hin­te­ren Be­reich des Mun­des kom­men?
 
Ist der Ge­dan­ke v├Âl­lig ab­we­gig oder k├Ânn­te da was dran sein?


Montag, 6. Juli 2020


Ei­ne mei­ner T├Âch­ter knie­te mal vor mei­ner Frau und bat um et­was. Die Ges­te war eher ein Spa├č als ernst ge­meint. Den­noch schnauz­te mei­ne Frau un­se­re Toch­ter an: „Kni­en kannst Du vor dem Herr­gott, vor nie­man­den sonst. Steh so­fort auf!”



Wie gut die Me­cha­nis­men funk­tio­nie­ren, f├╝r Ver­feh­lun­gen, die man nicht selbst be­gan­gen hat, Schuld­ge­f├╝h­le zu er­zeu­gen, ha­ben Re­li­gio­nen schon im Be­griff „Erb­s├╝n­de“ er­kannt und per­fek­tio­niert. Wei­te Tei­le der ├ľko­be­we­gung sind eben­falls von die­sem Spi­rit durch­drun­gen.



Ver­nunft in­klu­si­ve Ver­ant­wor­tung hat das Po­ten­zi­al zur Dik­ta­tur. Das h├Ârt sich f├╝r die meis­ten erst mal un­lo­gisch an, aber nur des­we­gen, weil sie kei­ne Ah­nung mehr da­von ha­ben, was Frei­heit ist.


Sonntag, 5. Juli 2020


Zwei Ta­ge lang ha­be ich kaum die Nach­rich­ten be­ach­tet, nicht im Ra­dio, nicht im TV, kaum im Netz, ├╝ber­haupt kei­ne „News“ wahr­ge­nom­men. Das war nicht ge­plant, ich hat­te mir das nicht vor­ge­nom­men, es hat­te sich ir­gend­wie er­ge­ben und ich fra­ge mich war­um? Auf­ge­fal­len war es mir nur ges­tern Abend, als mein RSS­Feed mehr als ein­tau­send un­ge­le­se­ne Nach­rich­ten mel­de­te.
 
Nun ha­be ich die Schlag­zei­len, Blog­ein­tr├Ą­ge, Tweets und Nach­rich­ten durch­ge­klickt, nichts war da­bei, was mich zu dem Aus­spruch ver­lei­ten lie├č: Mist, dass ich das ver­passt ha­be! Es war al­les wie im­mer: ei­gent­lich Un­ter­hal­tung, die aber ei­nen Er­re­gungs­zu­stand zwi­schen Em­p├­rung und Ab­scheu her­vor­ruft und kei­nen Aus­weg, kei­ne Be­frie­di­gung ver­spre­chen kann. Ich soll­te es ├Âf­ter tun, mich der Ta­ges­ak­tua­li­t├Ąt in den Me­di­en ver­wei­gern.


Samstag, 6. Juli 2020


 

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Freitag, 3. Juli 2020


Ich ken­ne das, we­gen der Her­kunft dis­kri­mi­niert zu wer­den. In den 70ern in Un­garn oder in der Tsche­cho­slo­wa­kei, wenn bei­spiels­wei­se Be­die­nun­gen in Bars oder Re­stau­rants mit­be­ka­men, dass man kein Be­sit­zer der D­Mark ist, son­dern Ost­deut­scher mit Alu­geld.
 
Doch Halt! Nein, es war eben kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Her­kunft, dies gab le­dig­lich ei­nen Hin­weis dar­auf, dass von uns kei­ne har­te W├Ąh­rung zu er­war­ten ist. Frei­lich f├╝hl­ten wir uns min­der­wer­tig, her­ab­ge­setzt und die ├ähn­lich­kei­ten zu de­nen, die heu­te mei­nen ras­sis­tisch be­han­delt zu wer­den, sind wahr­schein­lich gro├č.
 
Doch ko­misch, ich war nicht sau­er auf die Leu­te, die uns so un­ter­schied­lich be­han­del­ten. Na­t├╝r­lich ta­ten das nicht al­le, aber es kam eben hin und wie­der vor, nein ich war sau­er auf die Kom­mu­nis­ten in der DDR, die es ver­hin­der­ten, dass ich auch die gu­te D­Mark in der Ta­sche ha­be, um mir da­mit ein St├╝ck Frei­heit und Ach­tung kau­fen zu k├Ân­nen.

Donnerstag, 2. Juli 2020


„Ach, du bist ein April­scherz!“ Die­sen Spruch muss­te sich ei­ne mei­ner T├Âch­ter ges­tern mal wie­der an­h├­ren, als sie ein For­mu­lar mit ih­ren Da­ten in ih­rer neu­en Schu­le ab­gab. Sie ist n├Ąm­lich an ei­nem 1. Ap­ril ge­bo­ren. „Das wirst du wohl in dei­nem Le­ben noch vie­le Ma­le zu h├­ren be­kom­men“, mein­te ich zu ihr. „Ich wei├č, aber das macht mir nichts aus, ich kann dar­├╝ber la­chen“.
 
Ich bin be­ru­higt, wer ├╝ber sich la­chen kann, hat St├Ąr­ke und Selbst­ver­trau­en.



Ca­net­ti meint in sei­ner Be­schrei­bung der „Kla­ge­meu­te“: „Es scheint, da├č die Frau­en dar­in noch wei­ter ge­hen als die M├Ąn­ner, und auf je­den Fall zei­gen sie mehr Aus­dau­er in der Kla­ge.“ (Aus „Mas­se und Macht)
 
Darf man heu­te sol­che Un­ter­schie­de noch be­nen­nen?



Die Rus­sen wol­len of­fen­sicht­lich ei­nen neu­en Zar, heu­te in der Per­son von Pu­tin. Was geht uns das an? Mich st├Ârt viel mehr, dass hier­zu­lan­de ei­ne Mehr­heit sich da­nach sehnt, von ei­ner Pseu­do-Mut­ti ge­f├╝hrt zu wer­den.


Mittwoch, 1. Juli 2020


Vie­le lin­ke und gr├╝­ne „Wei­├če“ ha­dern mit ih­rer „Ge­wor­fen­heit“, emp­fin­den ihr Da­sein als pri­vi­le­giert oh­ne selbst et­was da­zu ge­tan zu ha­ben. Das f├╝hrt bei ih­nen zu ei­ner Scham, die sie mit Selbst­gei­├če­lung be­k├Ąmp­fen. Die we­ni­ger Pri­vi­le­gier­ten ha­ben sol­che Ge­f├╝h­le nicht.



Mir sind auf je­den Fall die­se Rei­chen lie­ber, die ein­fach nur ihr Geld ver­pras­sen und so wie­der un­ter die Leu­te brin­gen, als die­je­ni­gen, die mei­nen mit ih­rem Geld die Welt ver­bes­sern zu k├Ân­nen oder zu m├╝s­sen.



Ei­ne Wahl­rechts­re­form soll her, der Bun­des­tag ist zu gro├č ge­wor­den. Ok, der Mei­nung bin ich auch, halb so gro├č wie der­zeit w├Ą­re gro├č ge­nug. Nun h├­re ich ├╝ber Vor­schl├Ą­ge die An­zahl der Wahl­krei­se zu ver­klei­nern – und ge­nau das ist der fal­sche Weg, weil Ab­ge­ord­ne­ten die di­rekt in den Bun­des­tag ge­w├Ąhlt sind, ei­gent­lich die ein­zi­gen sind, die aus­rei­chend de­mo­kra­tisch le­gi­ti­miert sind. Al­les was mit Lis­ten­pl├Ąt­zen zu tun hat, ist Klun­ge­lei in den Par­tei­en. Ich hat­te dies­be­z├╝g­lich schon mal ei­nen Vor­schlag ge­macht, n├Ąm­lich die Ab­schaf­fung der Lis­ten­pl├Ąt­ze. Aber wahr­schein­lich geht es in pu­re Ge­gen­teil, die Kl├╝n­ge­lei wird noch schlim­mer wer­den.