8. Januar 2013

EEG und Wahlkampf 2013

Am Sonntag, 06.01.2013, stand der Presseclub unter dem Motto: „Jetzt schlägt's 13 - worum es im Wahljahr geht.“ Nach Ansicht der versammelten Journalisten wohl vor allem um Köpfe: Hält der Steinbrück durch, oder der Rösler, und mit wem wird Angela Merkel weiter regieren? Und bekommt sie genug Geld für ihren Job. Dieses Thema, und welche Fehler Steinbrück gemacht hatte, bestimmte weite Strecken in dieser Diskussion. Denn darüber schien man sich einig zu sein, die Frage nach der sozialen Gerechtigkeitkeit würde den Wahlkampf bestimmen, und Scheinbrück könne hier nicht mehr punkten, würde als zu unglaubwürdig dastehen. Nur Wolfram Weimer vertrat, im Gegensatz zu allen anderen Anwesenden, die Meinung, dass auch solche Werte wie Freiheit wie sie von der FDP vertreten würden, eine Rolle im Wahlkampf spielen könnte; sozusagen als Gegenprogramm zur überbordenden Regulierungswut der anderen Parteien.

Allen anderen aber konnte man schon deutlich anmerken, dass es für sie ein Problem darstellt, daß das Thema „Soziale Gerechtigkeit“ von dem Kanzlerkandidaten Steinbrück nicht glaubwürdig vertreten werden kann, und sowieso der Angela Merkel in diesem Bereich mehr vertraut werde. Was Ines Pohl (taz) zu der Bemerkung veranlasste, dass die Journalisten genau hinschauen müssten wo denn beispielsweise der Unterschied im angestrebten Mindestlohn bei der CDU und der SPD ist. Die Journalisten würden sich gerne einen schlanken Fuß machen und die Arbeit mit dem Kleingedruckten scheuen und statt dessen lieber über die großen Gesten sprechen, und über Köpfe.

5. Januar 2013

Was passierte mit dem Bürgertum in der DDR?

Wolfgang Thierse löste mit seiner Äußerung über mangelnde Anpassungsbereitschaft der Schwaben in Berlin heftige Reaktion in den Medien aus. Mittlerweile sind die Wogen geglättet, was uns die Gelegenheit gibt, einmal nachzuschauen warum wichtige Befindlichkeiten verletzt worden. Als erstes denkt man natürlich an die Angst vor dem Verlust der Heimat, dabei spielt Sprache und Dialekt natürlich eine große Rolle. Und oftmals auch Romantik verbunden mit eine Wohlgefühl im Milieu, welches aber nicht homogen ist, sondern eine Dispersion verschiedener Lebensentwürfe darstellt; von außen als homogene Gruppe betrachtet, in Wirklichkeit eine Vermischung von Einzelteilen ist.

Nun wurde manchmal gesagt, was dem Rechten die Araber sind, sind dem Linken die Schwaben. Diese Aussage ist aber, obwohl vordergründig einleuchtend, im Grunde falsch. Um beim Bild einer Dispersion in Form von Milieu bleiben, so bilden Ausländer nur einen neuen Bestandteil in diesem Gemenge, verändern aber die anderen Bestandteile der Dispersion nicht. Ganz anders die Personen die Thierse etwas despektierlich Schwaben nannte - Henning Sußebach nannte sie, in einem sehr beachteten ZEIT-Artikel, Bionade-Biedermeier oder ÖkoSchwaben und trifft damit wohl besser den Kern - ja diese Schwaben stehen sicher nur stellvertretend für eine besondere Personengruppe, diejenigen die mit genügend Ressourcen ausgestattet, zumeist aus dem Westen kommend, nun in die Einzelbestandteile des Milieus eindringen. Sie sind eben nicht nur ein weiterer Bestandteil dieser Dispersion, sondern wirken auf die Einzelbestandteile ein und verändern diese.

3. Januar 2013

Reichholf, Koczwara und die Rechte der Frauen

In der Sendung »News & Stories« vom 30.12.2012 berichtet der Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf auch über den Auszug des modernen Menschen aus Afrika und über die Rolle von Frauen bei der Frage, wie die denn die Population der Menschen in der modernen Welt in Zaum gehalten werden kann. Für Reichholf liegt der Schlüssel in der Beantwortung dieser Frage beim Selbstbestimmungsrecht der Frauen. Wenn diese über ihr Leben frei entscheiden können, gebären sie weniger Kinder.

Dies lies mich in die jüngste Vergangenheit denken, wie sah es denn in Deutschland noch vor wenigen Jahrzehnten aus? Rechtlich waren die Frauen nämlich bis in die siebziger Jahre nicht gleichgestellt. Werner Koczwara hat dies kabarettistisch aufgearbeitet, und ich erlaube mir hier seinen Auftritt in Ottis Schlachthof zu präsentieren. (Gesendet am 14.04.2012 in 3sat)


2. Januar 2013

Fundstück: Röslers Postitionspapier

»Wir brauchen marktwirtschaftliche Lösungen im Bereich erneuerbare Energien statt gesetzlich vorgeschriebenem Einspeisevorrang mit garantierter Einspeisevergütung.«
Diese Aussage findet sich ganz zuerst unter der Rubrik Sichere und bezahlbare Energie in dem kürzlich vorgestellten Postitionspapier Röslers und ist die bisher deutlichste Absage an das EEG was jemals aus Regierungskreisen zu vernehmen war. Der Mann hat Rückgrat, wenn sich nun die Medien auf ihn einschießen, wird ihn das nur bestärken. Besonders lustig ein Spiegel-Artikel von Hauke Janssen, in dem auf abenteuerlicher Weise versucht wird, einen Satz Röslers in möglichst unvorteilhaften Licht erscheinen zu lassen. Fehlen darf bei diesem Bashing natürlich auch nicht die Erwähnung einer Parteispende, um den Eindruck von Klientelpolitik zu erwecken. Ich empfehle den Spiegel Artikel dennoch zur Lektüre, allerdings mit Hinweis, sich den oben zitierten Satz in Erinnerung zu behalten, nur dann kann man nämlich Röslers weitere Worte zur Energiewende richtig bewerten. Und dabei wird dann auch deutlich, was schlechter Journalismus ist, nämlich solcher wie bei diesem Spiegel-Artikel.

1. Januar 2013

Über die Potentiale der Menschen

Der Arzt, Anthropologe und Humangenethiker Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel berichtete in der Sendung News & Stories (10.12.12, sat1) über Eindrücke und Erkenntnisse aus der Zeit seines siebenjährigen Forschungsprojektes bei Steinzeitmenschen in Neu Guinea. Als er dort ankam, befand sich die Kultur der Eipo auf Steinzeitniveau, zwar mit Ackerbau und domestizierten Nutzpflanzen, doch ohne Nutzung von Metall, ebenso unbekannt waren das Rad, Schrift oder Schule. Und er wurde Zeuge einer Wandlung der Gesellschaft, die viel über das Potential aussagt über welches Menschen verfügen:



1980 hat dieser Volksstamm das Christentum angenommen, nicht auf Grund von religiösen Bekehrungen, sondern aus rein praktischen Erwägungen; man wollte nicht mehr von der Welt abgeschottet und wie in einer Blase am Rande dieser Welt existieren. Inzwischen, nur anderthalb Generationen später, haben die Ersten schon ihre Magisterprüfungen an der Universität gemacht. Für Schiefenhöfel ein Vorgang, der beschreibt, wie schnell sich Menschen auf neue Gegebenheiten einstellen können. Ich empfehle das Video in ganzer Länge anzuschauen (hier), es wird nämlich mit so einigen gewohnten Vorstellungen aufgeräumt, oder diese werden zumindest in Frage gestellt.