Fast täglich muss ich derzeit an die Erzählungen meiner Mutter denken, die als Kind aus Schlesien flüchten musste. Glück im Unglück war, dass sowohl ihre Mutter und ihr Vater dabei waren, ebenso die ältere Schwester. Doch was war in diesem Schlesien? Einen Bauernhof gehörte der Familie, ein verschwommenes Foto davon hing gerahmt zu Hause rum, an keinem besonders wichtigen und auffälligem Platz, doch trotzdem immer wieder beachtet. Um die acht Jahre alt war sie, meine Mutter, als sie dort weg musste und sie hat sich nie darüber beklagt. Die Welt ist wie sie ist, oft ungerecht, und wenn man seine Heimat verliert, dann kann man nichts machen. Über Politik hat meine Mutter nie gesprochen, es hat sie nicht interessiert, wohl aber die Menschen. Und wenn sie über die Menschen sprach, dann sprach sie gut, böse Leute haben in ihrer Erinnerung keine Platz, zumindest will sie diese nicht noch aufwerten, indem sie von ihnen berichtet.
Einen ukrainischen Knecht hatten sie auf dem Hof, von dem berichtete sie gern.