10. Mai 2018
Schnipsel 2018, Zweite Sammlung
von
Quentin Quencher
Meine Frau ist Filipina, hat noch die philippinische Staatsbürgerschaft und nicht vor in die deutsche zu wechseln. Die Kinder haben beide Staatsbürgerschaften, eben die der Eltern. Wer weiß, so denke ich heute manchmal, für was das noch gut sein kann, wenn es mit Deutschland und Europa so weitergeht.
Ich hatte immer Alternativen im Denken, immer konnte ich mir vorstellen, in einer anderen Welt, als der mich gegenwärtig umgebenden, zu sein.
Als meine Freunde und Kumpels, die welche später bei den Grünen und anderen Esoterikern landeten, mit Hingabe Hesse lasen, Joan Baez, Bob Dylan oder Leonard Cohen hörten, hörte ich lieber Led Zeppelin und las Canetti, Kerouac und Diderot.
Mitläufer und Opportunisten in totalitären Systemen, sind diese Art von Opfer, die sich freiwillig und zum scheinbar eigenen Vorteil, mit ihren Freiern und Zuhältern ins Bett legen. Sie sind im Grunde Prostituierte.
7. Mai 2018
Die Macht der Religion
von
Quentin Quencher
Eine meiner Töchter meinte kürzlich, nach dem sie fragte, ob ich denn auch in der Schule Präsentationen hätte machen müssen, dass meine Schulzeit besser gewesen sei. Sie hat nämlich immer Bammel davor, spricht zu schnell, verhaspelt sich, ist nervös und aufgeregt, wenn sie vor anderen Menschen sprechen soll. Nun ja, antworte ich ihr, wir mussten noch Gedichte auswendig lernen und sie dann vortragen, und das ist sicher auch nicht viel einfacher. Zumindest für diejenigen, die nicht gerne vor einer Gruppe sprechen. Aber in der Tat, mit einem hat sie recht, eigene Gedanken und Herleitungen mussten wir nicht vortragen. Es wurde ja auch nicht viel Wert auf eigene Schlussfolgerungen gelegt, sondern lediglich eine Wiederholung dessen was man uns einbläute.
Einmal allerdings, die Deutschlehrerin fragte danach, wie wir die Fabel von einer Raupe denn verstehen. Nein, nicht die mit dem Schmetterling, sondern eine andere. Den Autor habe ich vergessen und auch momentan nichts per Suchmaschine gefunden. Also aus dem Kopf:
Einmal allerdings, die Deutschlehrerin fragte danach, wie wir die Fabel von einer Raupe denn verstehen. Nein, nicht die mit dem Schmetterling, sondern eine andere. Den Autor habe ich vergessen und auch momentan nichts per Suchmaschine gefunden. Also aus dem Kopf:
29. April 2018
Der Rosengärtner
von
Quentin Quencher
Das Haus des Rosengärtners steht in Flammen, er weiß nicht warum. Hat es jemand angezündet, ein technischer Defekt, oder vergaß er etwas auf Herd? Egal, die Feuerwehr wird den Brand löschen, so hofft er, er kann nichts tun und möchte am liebsten nur in seinen Garten gehen und an den Blüten schnuppern und träumen davon, was sein könnte. Erst wenn der Gestank und der Rauch des Brandes in den Rosengarten weht und es unmöglich wird an den Blumen zu riechen, dann wird er erkennen, es ist nicht die Zeit der Träume, sondern der Taten. Wird der Brand nicht gelöscht, kommen dann irgendwann die Bagger, um die Ruine, also das was von seinem Haus noch übrig ist, abzureißen. Mag sein, dass ihn das wenig tangiert, sein Haus hatte ihn nie wirklich interessiert, es schien funktional, das musste genügen. Doch ob sein Rosengarten es überlebt, denn die Bagger und die Feuerwehr brauchen Platz zum Rangieren, ist unwahrscheinlich.
27. April 2018
Der Nachbarsjunge ist tot
von
Quentin Quencher
Das einzige Kind der Familie wuchs sehr behütetet auf, so berichtete mir meine Frau von einem Nachbarsjungen in Cebu/City, Philippinen. Nie durfte der Junge einfach nur mit den Kumpels spielen. So gut wie alles, was die anderen Kinder an diesem Ort so taten, wurde ihm verboten. Dann ertrank er im Meer. Er hatte sich von zu Hause davon geschlichen um einmal frei, so wie andere Kinder auch, sein zu können. Gelacht hätte er und wäre glücklich gewesen, als er mit einem Sack, gefüllt mit Styroporstücken, ins Wasser ging. Andere Kinder warnten ihn, dort wo er ins Wasser ging, war es zwar in diesem Moment ruhig, doch dann, wenn der Gezeitenwechsel einsetzt, kann es an dieser Stelle, der Meerenge zwischen den Inseln Mactan und Cebu, wegen der dann einsetzenden heftigen Strömungen ganz schön gefährlich werden. So war es dann auch, einen Tag später wurde der Junge von einem Fischer gefunden. Die Fürsorge der Eltern, die ihm verboten existentiell wichtige Erfahrungen zu sammeln, wurde ihm zum Verhängnis.
21. April 2018
Politischer Ekel und die Erklärung2018
von
Quentin Quencher
Ich ertrage es nicht mehr. Texte liegen herum, Videodateien sind gespeichert, alles Politik- und Gesellschaftsthemen betreffend, die mich interessieren sollten, ja die es immer taten. Kaum macht ein Politiker oder einer dieser komischen von Sendungsbewusstsein durchdrungen Journalisten, den Mund auf, da überkommt mich ein schwer zu definierendes Unwohlsein. Irgendwas ausspucken möchte ich, komme mir vor, als hätte ich eine verdorbene Frucht gebissen.
Dann versuche ich mich zu ermahnen, es sind ja alles nur Meinungen, Darstellungen einer anderen Weltsicht, der man doch argumentativ entgegentreten kann. Außerdem ist es ja auch interessant zu erfahren, wie denn andere ticken. Wie es in ihnen denkt, fühlt und gärt. Es nützt nichts, der widerliche Geschmack im Mund bleibt, er lässt sich nicht mehr neutralisieren. Also raus damit und Mund ausspülen.
Dann versuche ich mich zu ermahnen, es sind ja alles nur Meinungen, Darstellungen einer anderen Weltsicht, der man doch argumentativ entgegentreten kann. Außerdem ist es ja auch interessant zu erfahren, wie denn andere ticken. Wie es in ihnen denkt, fühlt und gärt. Es nützt nichts, der widerliche Geschmack im Mund bleibt, er lässt sich nicht mehr neutralisieren. Also raus damit und Mund ausspülen.