15. Dezember 2019

Sorry Jungs

Nach dem Einkauf am Abend parkte ich das Auto in einer Seitenstraße, dort wo es immer steht und kramte meine Tüten zusammen. Es war schon dunkel, vielleicht 18 Uhr, wir haben Dezember. Ein flüchtiger Blick auf die andere Straßenseite, dort waren ein paar Jungs, im Alter so knapp 10, miteinander in ein Gespräch vertieft und beratschlagten, was sie nun tun wollten. Einer erwähnte, dass er nun nach Hause gehen würde. Es war ein schönes Bild, ich vermisse es so oft, einfach Jungs beim Erkunden ihrer Welt, beim Spiel ganz unter sich, kein Elternteil weit und breit.

Erinnerungen an die eigene Kindheit wurden wach, wie wir uns trafen und uns Geschichten erzählten oder über die Zäune stiegen, um beim Nachbarn was aus dem Garten zu klauen. Manchmal hatte einer, ich gelegentlich auch, beim Vater ein paar Zigaretten gestohlen und die wurden probiert. Natürlich wurde es uns schlecht bei diesen ersten Rauchversuchen, doch das ging so lange bis mal einer erwischt wurde und es eine Tracht Prügel gab. So war das eben damals. Engel waren wir jedenfalls keine.

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Ein Glimmen sah ich an der Hand eines der Jungen, eine verdächtige Handbewegung, als ob etwas Verbotenes verborgen werden müsste. Meine Erinnerung hatte sich in die Gegenwart geschlichen, doch ich sah es ganz deutlich, einer der Jungs hielt eine Zigarette in der Hand. Die Kinder liefen über die Straße und waren keine zehn Meter von mir entfernt.

„Komm mal her!“, so rief ich dem Verdächtigen zu, in einem resoluten Ton, sodass dieser auch sofort folgte und bis auf zwei, drei Schritte an mich herantrat. Die anderen Jungs blieben hinter ihm, hielten etwas mehr Sicherheitsabstand zu mir. „Wo hast du die Zigarette hingeworfen?“ Seine Hand war leer, dort war kein Glimmstängel mehr, also musste er sie, vielleicht nach der verdächtigen Handbewegung, schnell weggeworfen haben. Die Straße war nass, es hatte gerade geregnet, auf die Schnelle konnte ich keine brennende Zigarette auf der Straße sehen.

Große Augen starrten mich an: „Ich habe keine Zigarette!“. „Ach so, was hat denn da gerade in deiner Hand geglimmt?“ Die Jungs hinter ihm begannen zu grinsen, offensichtlich hatte ich mich gerade zum Affen gemacht. Es war nur irgendwelches Glitzerpapier, was das Licht der Straßenlaterne reflektierte und mir erschienen ließ, dort wäre eine glimmende Zigarette in der Hand eines vielleicht zehnjährigen Jungen.

Einen Moment brauchte ich, um zu realisieren, was ich da angerichtet hatte. „Oh, entschuldigt bitte, ich habe mich getäuscht!“ Die Jungs in der zweiten Reihe grinsten breit übers Gesicht, der von mir angesprochene nicht, dem saß der Schreck noch in den Gliedern. Also entschuldigte ich mich, mit wirklich sanftem Ton in der Stimme, nochmals bei ihm. „Schon gut, ist OK“, brachte er noch heraus und wand sich um, seinen Kumpels zu. Dann waren sie in der Dunkelheit verschwunden.

„Was gehen dich anderer Leute Kinder an, du Idiot!“ sprach ich zu mir und wollte meinen Irrtum und meine mir einen Streich spielenden Illusionen schnell wieder vergessen. Doch es geht nicht, immer mehr sehe ich mich selbst als Junge da im kaltnassen Abend auf der Straße stehen und wie ich von mir selbst angeschnauzt werde. Die Erinnerung an die Kindheit kommt zurück und doch fehlt ein Aspekt dessen, was hier geschah. Niemals, ich kann jedenfalls nichts in meiner Rückschau finden, hat sich jemand bei mir entschuldigt, wenn mir Unrecht geschehen ist, was ja auch gelegentlich vorkam.

Deshalb Jungs, nochmal Sorry für mein Verhalten kürzlich. Ich kann mein Missgeschick nicht rückgängig machen, mich nur entschuldigen dafür.


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