14. November 2020

Eine Unterhaltung, anfangs über Corona

Wir saßen beieinander, meine Frau, ich und er. Das war im Frühjahr, doch ich kann es einfach nicht vergessen, also schreibe ich nun darüber. Ich verrate jetzt nicht, wer »er« ist, nur soviel, er ist etwa in meinem Alter und ich kenne ihn schon seit der Kindheit. Auf der Außenterrasse einer Bäckerei tranken wir Kaffee, aßen etwas Kuchen und unterhielten uns. Natürlich kam das Thema Corona auf, sein Job scheint nicht gefährdet, der meiner Frau auch nicht. Nicht mal Kurzarbeit droht, wir gehören zu den Glücklichen derzeit, die sich keine übermäßigen Sorgen über ihre wirtschaftliche Zukunft machen müssen.

Ich: „Ja, wir haben noch Glück in der Krise, aber meine Frau berichtete über Kollegen, deren befristete Arbeitsverträge nun nicht verlängert werden, die praktisch ihren Job verlieren. Männer, deren Zukunftsträume den Coronamaßnahmen zum Opfer fallen, standen da und weinten, als es ihnen gesagt wurde.“

Meine Frau nickte zustimmend, er zuckte mit den Schultern.

Ich: „Und das betrifft nun Tausende in der Industrie und im Handel.“

Er: „Die bauen ja auch die falschen Produkte, Sachen, die man heute nicht mehr braucht, Autos die zwei Tonnen wiegen etwa. …“

Ich fiel ihm ins Wort: „ … Da höre ich wieder deine Grünen sprechen, aber bedenke doch, Autos bedeuten Freiheit, gerade für die kleinen Leute.“

Er: „Ach! Pfft! Was ist schon Freiheit!“

Ja, so sprach er, über die Freiheit, mit einem Ausdruck der Verachtung, als ob es sich um etwas Überflüssiges, vielleicht gar Gefährliches handle.

Vor kurzem hatte er Geburtstag, ich brachte es nicht fertig ihm zu gratulieren, ihn anzurufen, eine Karte zu schreiben, konnte mich nicht dazu überwinden, immer noch klingt dieses „Ach! Pfft!“ in meinen Ohren nach. Eine mehr als fünfzigjährige Freundschaft ging damit zu Ende. Zumindest haben wir uns nichts mehr zu sagen.








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1 Kommentar :

  1. Die Empathielosigkeit der Menschen in dieser Krise erschüttert auch mich. Ich habe mich auch von einigen 'Freunden' deswegen distanziert.

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