30. Juni 2021

Notizen im Juni 2021

Dienstag 29. Juni 2021


So, nach dem diese moralisierende deutsche Fußballmannschaft endlich raus ist, kann ich mich an der EM erfreuen.
 
Sie gingen auf die Knie und trugen dabei ihre mit Regenbogenfarben geschmückte Nase ganz hoch. Nun liegen sie auf ihrer Nase und die Schadenfreude ist groß. Hochmut kommt vor dem Fall, liebe Mannschaft, und ich lache über euch.
 
Es war nicht Demut, was die Mannschaft dazu veranlasste auf die Knie zu gehen, sondern eine Form des Hochmuts, mit dem sie sich als die besseren Menschen darstellen wollten. Aber das ist nicht nur im Fußball so.



Bei einer Autoimmunerkrankung gehen Abwehrkräfte auf die eigenen lebenswichtigen Organe los. Ähnliches kann auch in Gesellschaften passieren und zeigt sich in selbstzerstörerischen Phänomenen. Beim Klimaschutz etwa.



Das eigene Zeitalter zu erhöhen, ihm Wichtigkeit und Besonderheit zu geben, scheint eine Konstante in Gesellschaften zu sein. Wenn aber nichts besonders Bedeutendes geschieht, wird Unwichtiges aufgeblasen und wichtig gemacht. Das Wetter etwa oder eine Grippe.

30. Mai 2021

Notizen im Mai 2021

Samstag 30. Mai 2021


Die Sehnsucht ist in mir lebendig, Abstand zur Politik zu bekommen, sie als notwendiges Übel zu betrachten, ihr aber keinen breiten Raum zu geben. Dann sehe ich die Masken, soll mich oder die Kinder testen, gar impfen lassen und so einiges mehr. Die Sehnsucht, von der Politik Abstand zu bekommen, wird schnell von der Wut auf sie verdrängt.
 
Um ehrlich zu sein, habe ich die Beschäftigung mit der Politik immer als unter meiner Würde angesehen, doch so oft sah ich mich dennoch gezwungen, mich mit ihr auseinanderzusetzen, weil sie, die Politik, nach meiner Würde und meiner Freiheit griff. Es ist also nur Selbstverteidigung, wenn ich mich mit Politik beschäftige.

1. Mai 2021

Der 1. Mai und die Tribünen

Mir wurde das Interesse am Feiertag „1. Mai“ in der DDR gründlich ausgetrieben, musste als Schüler mit der Klasse, der ganzen Schule, dann immer demonstrieren gehen. Doch das waren keine Demonstrationen, sondern Aufmärsche, und ich wurde gezwungen mitzumarschieren.

Zu Beginn, kurz bevor der Marsch durch die Stadt startete, wurden Plakate verteilt, irgendwelche dämliche Sprüche standen drauf. Die sollten wir ganz besonders gerade halten, wenn wir dann an der Tribüne vorbeigingen, um die Parteibonzen zu huldigen, die gnädig von oben herunterwinkten.

29. April 2021

Notizen im April 2021

Donnerstag 29. April 2021


Das Streben nach Gleichheit und Gerechtigkeit ist eine starke evolutionäre Kraft. Doch da dieses Streben immer auch neue Ungerechtigkeiten erzeugt, müssen die Ideale unerreichbar bleiben und können bestenfalls in eine Balance zur Lebenswirklichkeit gebracht werden. Das hehre Ziel bleibt immer Utopie.



Wer heutzutage glücklich sein möchte, muss Fatalist sein, ans Schicksal glauben. Er braucht sich über die Sinnhaftigkeit dessen, was geschieht, keine übermäßige Gedanken machen.



Was soll ich von einer Gesellschaft halten, die Kinder einsperrt, um Alte zu schützen?



Die sogenannten Coronaschutz-Maßnahmen oder -Verordnungen sind, ihrem Charakter nach, keine Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung, sondern Züchtigungen.

6. April 2021

Die Gemütlichkeit des Mainstream

Meine letzten Jahre in der DDR, bis zur Ausreise 1983, waren geprägt von einer weitestgehenden Verachtung meiner Mitmenschen für ihren Opportunismus und ihr Mitläufertum. Ein paar Freunde, die sich dem widersetzen, waren der einzige Lichtblick. Dafür bin ich viel gescholten worden, teils zu Recht; ich war ein junger Kerl damals und die Differenzierung ist keine Stärke dieses Alters. Dennoch halte ich an diesem Bild fest, bis heute, habe nur etwas mehr Verständnis für die Opportunisten, für die damals wie für die heute. So klar es mir in diesen Jahren war, so offensichtlich sind diese Mechanismen der Anpassung auch heute noch wirksam.