März 01, 2014

Schlechter Journalismus, am Beispiel Stefan Siller

Beim SWR gibt es auch gute Moderatoren für Informationssendungen, Wolfgang Heim und Gábor Paál beispielsweise, Stefan Siller gehört aber nicht dazu, und jedesmal wenn ich seine durchaus sympathische Stimme im Radio höre, wechsle ich den Sender. Schon seit langem geht mir Siller mit seiner moralisierenden, ganz dem grünen Zeitgeist angepassten, Attitüde auf den Wecker. Für Musiksendungen mag er ja noch ganz brauchbar sein, aber, zumindest zu Hause, höre ich keine Musik in Radio, sondern hauptsächlich bei Digitally Imported oder SKY.fm. Lokales Radio brauche ich nur um Kommentare oder Infosendungen anzuhören, oder wegen Staumeldungen wenn ich unterwegs bin. Und für Infos und Kommentare gibts Podkast, den für SWR1 Leute habe ich abonniert, kann mir also in Ruhe anhören was gesprochen wurde, zu einer Zeit wenn es am besten passt. Wenn dann Stefan Siller als Moderator genannt wird, kann ich mir die Zeit meist sparen, es sei denn das Thema ist zu interessant für mich um es zu ignorieren.

Aus diesem Grund, interessantes Thema, habe ich mir die Sendung SWR1-Leute vom 25.02. angehört, und es hat sich gelohnt, denn der Chef der Stadtwerke Ettlingen, Eberhard Oehler, war zu Gast und er sollte unter anderem über die Energiewende sprechen. Doch dazu später. Zuerst noch einmal zu der Frage- oder Interviewtechnik von Herrn Siller, die mindestens suggestiv genannt werden muss, was einem Beispiel über ein Projekt der Stadtwerke Ettlingen deutlich wurde, bei dem sie Entwicklungshilfe zur Wasserversorgung in Afghanistan geleistet hatten. Hier bemühte Siller einen Vergleich zwischen der Hilfe den die Elltinger leisteten und der Soldaten die nach 9/11 ins Land kamen und viele tausend Tote verursacht hätten (ab 12:20 min). Oehler erkannte sofort die Suggestivfrage und als er in einem Punkt zustimmen wollte, meinte Siller, dass er doch gar keine Meinung geäußert hätte (13:30 min). Freilich hat er das getan, mit diesen konstruierten Gegensätzen. Sollte er sich dessen gar nicht bewusst sein? Kaum vorstellbar, denn seine Interviews sind permanent von Statements durchsetzt, wie diesen hier als Beispiel: „Man mag sich gar nicht er vorstellen, woran überall Geld verdient wird. Erst um Krieg zu führen, anschließend um die Schäden zu beseitigen." (17:40 min). Doch das war noch harmlos. Interessant wurde es als es um die Energiewende ging.

Hier wurde dann nur zu offensichtlich, dass der Moderator permanent darauf hin arbeitete, dass Oehler die ihm, Sillers, genehmen Antworten und Aussagen lieferte. Eberhard Oehler ist keineswegs ein Gegner der Energiewende und möchte diese zum Erfolg führen, zumindest betonte er dies oft, doch hat er sich zumindest den Realitätssinn bewahrt, einige Punkte erkennen zu können die momentan diesem gewünschten Erfolg entgegenstehen. Doch davon wollte Siller nichts wissen (20:15min):
Eberhard Oehler: ... wir brauchen Kohle und wir brauchen Gas als Übergangsenergie, wir können nicht jetzt aus Atomstrom aussteigen, das ist beschlossen, und gleichzeitig den Forderungen entsprechen, jetzt steigen wir auch zeitgleich aus der Kohle aus. Das geht eben nicht! Die Erneuerbaren stehen zwar in immer größerem Umfang zur Verfügung, aber es gibt halt auch genug Tage wo sie nicht zur Verfügung stehen, und wir haben ein Riesenproblem, dass ist nicht gelöst, das ist das Thema Speicherung von elektrischer Energie.

Stefan Siller: Das ist das eine, wir brauchen Übergangsenergien, das ist völlig klar, aber warum nehmen wir zunehmend die größte Dreckschleuder Kohle und nicht Gas. Was nicht nur sauberer sondern auch noch billiger ist.
Das Thema Speicherung wurde im Laufe des weiteren Gesprächs nicht mehr angeschnitten. Oehler sprach von einem Riesenproblem, doch das wurde schnell ausgeblendet, Siller wollte von der dreckigen Kohle sprechen. Und nach diesem Muster ging es permanent weiter, unliebsame Aspekte werden ausgeblendet, schnell auf andere Punkte abgelenkt, und dabei ständig eigene Überzeugungen plump eingewebt.

In den letzten Tagen war Michel Friedman wegen seiner Fragetechnik in heftige Kritik geraten, weil der auch mit Behauptungen und scheinbarer Empörung seine Gesprächspartner drangsaliert, doch bei ihm ist das eine Technik um den Gesprächspartner zu unbedachten Äußerungen zu verleiten, Friedmans eigene Ansichten werden dabei nicht klar, es sei denn man ist so naiv und unterstellt ihm, dass die konfrontativ vorgetragenen Fragen tatsächlich seiner Überzeugung entsprechen. Das wird nur in den wenigsten Fällen zutreffend sein.

Ganz anders Siller, ihm geht es nicht darum Widersprüche in der Argumentation seiner Gesprächspartner aufzudecken, noch nicht einmal nimmt er den Faden auf, der ihm dargeboten wird, um eine Sache, oder ein Problem, etwas besser auszuleuchten, nein, wenn es kritisch wird für Sillers Überzeugungen, wird schnell aus- und weggeblendet (24:40min):
Eberhard Oehler: ... da fehlt eine klare Kursbestimmung auch deshalb, weil in der Energiewende wir ein Riesenproblem haben mit ideologischen Belastungen aus den unterschiedlichen Richtungen.

Stefan Siller: Wer gegen Wen? Ich meine, dass es ideologische Befürworter gibt, die auf Deubel komm raus nur noch Sonne und Wasser haben wollen ist ok, obwohl die in die richtige Richtung gehen, aber was ist die Ideologie dagegen?
„Obwohl die in die richtige Richtung gehen,“ sagt Siller, damit wird die eine Ideologie als gut erkannt, gleichzeitig das Augenmerk auf die vermeintlich schlechte andere Ideologie gelenkt. Hauptsache mal wieder schnell ein Statement vorgetragen. Am peinlichsten wird es dann am Ende der Sendung (30:15min):
Eberhard Oehler: ... in der Hoffnung, dass wir in Deutschland als gesamtes die Energiewende hinbekommen, denn das Ausland schaut teils belustigt auf uns, teils fassungslos, und nicht wenige sind davon überzeugt, dass die Energiewende in Deutschland nicht gelingt.

Stefan Siller: Herr Oehler, denen werden wirs zeigen. Zum Beispiel mit Kraftwäremekopplung und Blockheizkraftwerken, die wie ich von ihnen erfahren habe, inzwischen auch in Kleinformaten Sinn machen ...
„Belustigt und fassungslos“ ist nicht nur das Ausland was die deutsche Energiewende betrifft, sondern auch ich über dieses unterirdische Interview. „Denen werden wir es zeigen,“ spricht Siller. Was er aber wirklich gezeigt hat, ist, dass er sich mit kritischen Fragen nicht auseinandersetzten will, und man den Eindruck bekommen muss, dass er von der ganzen Problematik nur so viel versteht wie ihm durch die Propaganda der Lobbyisten der Energiewende zu Ohren gekommen ist. Und da er wie diese Lobbyisten meint, dass das die richtige Richtung ist, werden alle Probleme ausgeblendet.

„Sich nicht gemein machen mit einem Thema,“ das galt mal für Journalisten, ein paar halten sich auch noch dran, Stefan Siller sicher nicht.

Insgesamt ist diese Sendung kein großes Ding, den großen Kracher, die große Schlagzeile liefert sie nicht. Nicht einmal für die Kritik hier. Es ist mehr ein Geplätscher oder ein Rauschen welches aber, gleich dem Bild vom steten Tropfen der den Stein höhlt, seine Wirkung nicht verfehlt. Diese permanente ideologische Berieselung, verbunden mit Nichtinformation durch eine Informationssendung, verleitet den weniger informierten Hörer die Gewissheit „auf dem richtigen Weg“ zu sein. Auch wenn das Ausland belustigt und fassungslos auf Deutschland schaut. Denen werden wirs zeigen, jedenfalls wenn wir Stefan Siller glauben sollen, der aber eigentlich mehr Agitator als Journalist ist.

Die Sendung zum nachhören gibt es hier

Ergänzend zum Thema:
Fukushima und die bebilderte Desinformation
Manager in der Schweigespirale
Ott bei Friedman, oder wie mit falschen Ängsten Politik gemacht wird

1 Kommentar :

  1. Hallo Quentin,

    Danke für den interessanten Fund.
    Ehrlich gesagt bin ich dankbar für solche Typen wie den Silber.
    Vielleicht können viele sachlich nicht beurteilen was der sagt, aber die meisten Menschen bemerken diese Art von hinterhältigem Journalismus.
    Grüße
    Günter

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