22. November 2019

Aus dem Archiv: Energieeffizienz, Rebound und Backfire

Dieser Artikel ist im Dezember 2011 im Science-Skeptical-Blog erschienen, doch dieser Blog ist schon seit Wochen, vielleicht Monaten, im Wartungsmodus und mir ist nicht bekannt, ob er nochmals online geht. Eine Nachfrage an den Administrator ist bis jetzt unbeantwortet geblieben. Da aber viele meiner Texte dort, über den Tag hinaus aktuell sind, werde ich nun in loser Folge die mir wichtigen hier auf Glitzerwasser veröffentlichen.

Eine der wichtigsten Säulen der Energiewende ist die Verbesserung der Energieeffizienz. Ob Haushaltsgeräte, die entsprechend gekennzeichnet werden, oder die Styroporverpackungen von Häusern, überall wird auf die Energieeffizienz hingewiesen. Dabei wird man nicht müde zu erklären, dass das zu keinem Wohlstandverlust führt, sondern eher noch die Lebensqualität erhöht und unter dem Strich sogar Geld gespart werden kann.

Wenn man die Einzelmaßnahmen betrachtet, mag das mitunter tatsächlich zutreffen. Energie wird gespart und der Geldbeutel geschont. Im Prinzip entspricht dies einer Sichtweise wie 'weniger Input, gleich bleibender Output'. Dies wird dann als Erfolg gefeiert. Kühlschränke brauchen weniger Strom, Autos weniger Sprit und zum Heizen wird weniger Öl benötigt. Diese weitestgehend ökonomisch sinnvollen Einsparungen werden aber gleich durch direkte Rebounds wieder ausgeglichen. Dazu gehört die intensivere Nutzung.

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Wie hoch der Gesamtrebound tatsächlich ist, lässt sich allerdings nicht mit dem begrenzten Blick auf Einzelmaßnahmen erkennen, sondern dazu muss man neben den direkten auch die indirekten Rebounds betrachten. Mitunter geht es so weit, dass ein sogenanntes Backfire entsteht, in dem die Reboundeffekte höher als die Effizienzsteigerung ist. Als Beispiel wird hier immer gern eine Studie aus Indien angeführt, wonach nach der Installation von PV-Paneelen der Kerosinverbrauch für Beleuchtung und Kochen einen direkten Rebound von 50 - 80% aufzeigte, der Gesamtrebound bis 200% betrug (Roy, 2000).

In einer Studie für die Enquete-Kommission "Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität" des deutschen Bundestages gehen die Autoren Reinhard Madlener und Blake Alcott diesen Fragen nach. Deren Fazit ist vernichtend:
Die Effizienzsteigerung, der Strukturwandel und die vermehrte Erschließung erneuerbarer Energiequellen haben aber bis jetzt nicht zur angestrebten absoluten Verminderung des Ressourcenverbrauchs geführt, und deshalb wurde in den vergangenen Jahren vermehrt vor allem die Effizienzstrategie selbst infrage gestellt und vermehrt Kritik an einer unreflektierten Effizienzgläubigkeit geübt. Zurückgreifen konnte man dabei auf drei Jahrzehnte Forschung betreffend das bereits vor langer Zeit erkannten, in den vergangenen Jahren vermehrt erforschten Hauptproblems dieser Strategie, nämlich dem ‚Rebound‘ des Konsums von Gütern, Dienstleistungen und Ressourcen selbst, den der Einsatz einer erhöhten technischen Effizienz in Produktion und im Konsum erst ermöglicht. Es hat sich allmählich herausgestellt, dass das Problem nicht trivial ist, sondern, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein erheblicher Teil der möglichen Ressourcen-Einsparungen nicht stattgefunden hat.
Energieeffizienzmaßnahmen allein haben also wenig bis keine Auswirkung auf eine angestrebte Schonung von Ressourcen, manchmal führen dieses gar ins Gegenteil, dass hinterher mehr verbraucht wird als vorher. Malder und Alcott sehen hier nur einen Ausweg:
Es ist deshalb vielleicht etwas ironisch, dass in den letzten Jahren vermehrt politische Maßnahmen eingefordert werden, die zugunsten der ökologischen Modernisierung zumeist abgelehnt wurden: hohe Steuern auf Ressourcen und/oder Emissionen, und/oder verbindliche Verbrauchsgrenzen (Caps, Quoten).
Dies hat aber genau einen Effekt, nämlich den, dass die vermeintliche Lösung von noch vermeintlicheren Umweltproblemen nur durch Suffizienz, sprich Wohlstandsverlust, zu erreichen ist. Auch die Autoren der Studie sehen dies ziemlich klar:
Werden beispielsweise Ressourcen zur Deckung von Grundbedürfnissen (z.B. Energieressourcen) teurer, ist das Problem der Armut schwieriger zu lösen. Braucht eine nationale Wirtschaft weniger Inputs an natürlichen Ressourcen, leidet ihre internationale Konkurrenzfähigkeit. Kommen deshalb(verständlicherweise nur strengere) Maßnahmen, die international beschlossen und koordiniert sind, infrage, stehen sehr hohe Hürden im Weg.
Bleibt als Fazit: Effizienzmaßnamen allein führen nicht zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs. Strengere Maßnahmen (Quoten und Steuern) führen zur Senkung der Wettbewerbsfähigkeit und des Wohlstandes, dies umso mehr, wenn sich nur einzelne Staaten dazu entschließen.

Es wird höchste Zeit, dass man sich von solch unsinnigen Vorhaben wie Klimaschutz, Ressourcenverknappung und grüner Nachhaltigkeit verabschiedet und sich dem Wohl der Menschen hier und heute zuwendet.

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